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Irans Urananreicherung alarmiert den Westen

Blick auf die Schwerwasser-Anlage im iranischen Arak (Bild vom 26.8.2006).Großansicht
Wien/Teheran (dpa) - Ungeachtet der Kritik an seinen Atomplänen baut der Iran eine zweite Urananreicherungsanlage. Das überraschende Eingeständnis Teherans am Freitag stieß auf heftigen Widerstand.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist brisant, da nächste Woche Vertreter des Irans und der fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats plus Deutschland in Genf zusammenkommen wollen, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Bisher war nur bekannt, dass das Land eine Anlage zur Anreicherung von Uran in Natans betreibt.

«Der Iran bricht internationale Regeln, die alle Nationen befolgen müssen», sagte US-Präsident Barack Obama am Freitag am Rande des G20- Gipfels im amerikanischen Pittsburgh. Bei den anstehenden Atom- Gesprächen müsse Teheran seine Pläne offenlegen. Nach den Regeln der internationalen Atomenergiebehörde IAEA hätte der Bau schon gemeldet werden müssen, als er beschlossen wurde. Das Vorgehen sei in Übereinstimmung mit den IAEA-Regeln, sagte dagegen der Generaldirektor der iranischen Atomenergiekommission, Ali Akbar Salehi.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte den Iran zur sofortigen Aufklärung über die Anlage auf. «Deutschland ist darüber sehr besorgt, genauso wie Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika», sagte Merkel in Pittsburgh. Der Bau sei ein Verstoß gegen die Auflagen der Atomenergiebehörde und der Vereinten Nationen. Auch Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kritisierte das Vorgehen Irans: «Dieser Schritt bestärkt die bestehenden Zweifel gegenüber dem iranischen Atomprogramm erheblich und erschwert dadurch eine Lösung des Konflikts.»

Auch aus Russland kamen ungewohnt kritische Töne. «Wie könnten wir nicht beunruhigt sein», sagte eine Sprecherin des russischen Präsidenten Dimitri Medwedew laut Agentur Interfax in Pittsburgh. Der Kremlchef hatte zuletzt Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen Teheran nicht ausgeschlossen. «In einigen Fällen ist die Verhängung von Sanktionen unausweichlich», sagte Medwedew. Der UN-Sicherheitsrat hat bereits mehrfach ohne Erfolg Sanktionen gegen den Iran verhängt, um das Land von der Urananreicherung abzubringen.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy stellte ein Ultimatum bis zum 1. Dezember. Teheran müsse «alles auf den Tisch legen». Sollte es bis dahin keine Fortschritte geben, «müssen Sanktionen verhängt werden». Der britische Premier Gordon Brown stellte klar, dass es keine Kompromissbereitschaft geben dürfe.

Teheran beteuert, Uran ausschließlich für zivile Zwecke wie Energiegewinnung nutzen zu wollen. Experten befürchten jedoch, dass das Regime mit dem angereicherten Uran Atomwaffen bauen könnte. Die IAEA verlangte vom Iran genaue Informationen über die Anlage sowie baldmöglichsten Zugang.

Der Iran hatte in einem Brief vom Montag an die IAEA in Wien zugegeben, eine bisher unbekannte Anlage für die Anreicherung von Uran zu bauen. Nach Angaben von Diplomaten wurden darin keine Details zum Ort und dem Fortschritt der Anlage genannt. Das Regime habe den Bau erst zugegeben, als es gemerkt habe, dass westliche Geheimdienste Bescheid wissen, sagten mit dem Fall vertraute Diplomaten.

Die Arbeiten an der bisher geheimen Anreicherungsanlage laufen nach Informationen der dpa bereits seit 2005. Teheran habe vier Jahre lang seine Informationspflicht verletzt. Die Anlage entstehe tief in einem Berg fernab von Siedlungen. Der Bau sei weit fortgeschritten. Die USA, Frankreich und Großbritannien sollen über einen längeren Prozess parallel vom Bau der zweiten Anlage erfahren haben. In der neuen Anlage befinde sich bisher kein nukleares Material.

Nach Angaben der IAEA erklärte Teheran, dass in der neuen Anlage Uran bis 5 Prozent angereichert werde. Für Atomwaffen ist eine höhere Anreicherung notwendig. Weitere Angaben seien in dem Schreiben in einer «angemessenen» Zeit zugesagt worden.    

Die neue Anlage bei Qom südlich von Teheran sei groß genug für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung, berichteten gut informierte Kreise. Das sei etwa die Menge, die man benötige, um innerhalb eines Jahres das Material für eine Atombombe herzustellen, allerdings nicht genug für einen Atomreaktor, hieß es. Nach Einschätzung von Experten ist die Anlage nicht vor Beginn oder Frühjahr nächsten Jahres fertig. Zusätzlich hat der Iran auch die Anlage in Natans, die angelegt ist für rund 50 000 Zentrifugen. Experten gehen davon aus, dass etwa 8000 davon installiert sind.

Dass daneben eine geheime zweite Anlage für nur 3000 Zentrifugen gebaut werde, spreche für deren militärischen Charakter, heißt es in informierten Kreisen. Für die Erstanreicherung von Uran von 0,7 auf 3,5 Prozent spaltbares Material zur Stromgewinnung brauche man sehr viele Zentrifugen. Die für Bomben nötige hohe Anreicherung auf mehr als 80 Prozent gehe mit sehr viel geringerem Aufwand.

Bei den Atomgesprächen, die am 1. Oktober in Genf beginnen sollen, erwartet der iranische Chefunterhändler, Said Dschalili, laut einem Bericht des Magazins «Der Spiegel» Konzessionen der USA und Europas. «Jetzt ist der Westen am Zug», wurde er in dem Blatt zitiert. Das Thema Urananreicherung im Iran soll aus seiner Sicht nicht behandelt werden. «Wir werden dieses Recht niemals aufgeben.» Verschärfte Sanktionen fürchte seine Regierung nicht.

Atom / IAEA / Iran
25.09.2009 · 19:14 Uhr
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