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Iran: USA und Israel «eliminieren» Atomforscher

Iran wirft USA Eskalation im Atomstreit vorGroßansicht
Teheran (dpa) - Der Iran wirft den USA und Israel vor, seine Atomwissenschaftler gezielt zu «eliminieren».

Erste Ermittlungen nach dem Mord an einem iranischen Physik-Professor hätten gezeigt, «dass die USA, das zionistische Regime (Israel) und deren Söldner in diesen terroristischen Akt verwickelt sind», hieß in einer Erklärung des Außenministeriums in Teheran. Der Wissenschaftler Massud Ali- Mohammadi war am Dienstag bei einem Bombenanschlag in der iranischen Hauptstadt getötet worden. Medienberichten zufolge war der an einem Motorrad versteckte Sprengsatz in der Nähe seines Hauses explodiert. Die USA wiesen die Anschuldigungen als «absurd» zurück.

Unklar war, ob Ali-Mohammadi am umstrittenen iranischen Atomprogramm arbeitete. Die USA und andere westliche Länder werfen Teheran vor, unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung der Atomenergie an der Entwicklung von Kernwaffen zu arbeiten.

Am Morgen, noch vor dem Anschlag auf Ali-Mohammadi, hatte die iranische Führung Washington vorgeworfen, den Streit um das iranische Atomprogramm eskalieren zu lassen. Mit scharfen Worten reagierte Teheran auf Äußerungen des US-Generals David Petraeus über «Notfallpläne» für mögliche Militärschläge gegen iranische Nuklearanlagen. «Das ist unverantwortlich, das Gegenteil der neuen Politik, die die neue US-Regierung verspricht, und stattdessen eine Rückkehr zu früheren Fehlern», erklärte ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums.

«Die Ausschaltung unserer Atomwissenschaftler wird den technologischen Fortschritt unseres Landes bestimmt nicht (negativ) beeinflussen, eher beschleunigen», sagte Teherans Außenamtssprechers Ramin Mehmanparast nach der Tat. Auch der iranische Chef-Ankläger Abbas Dschafari Dolatabadi beschuldigte die USA und Israel, bei der Ermordung des Physik-Professors die Hände im Spiel gehabt zu haben.

Der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Gordon Duguid, bezeichnete die Vorwürfe aus Teheran als «absurd». Die Anschuldigungen seien völlig aus der Luft gegriffen, sagte er in Washington.

Teheran macht die USA, Israel und «ihre Agenten» immer wieder für Anschläge und Angriffe oder unliebsame Vorkommnisse im eigenen Land verantwortlich, ohne dabei jedoch Beweise zu liefern. Als Söldner oder Agenten wird meist die iranische Oppositionsgruppe Volksmudschahedin bezeichnet, die das Mullah-Regime bekämpft.

Die Volksmudschaheddin dementierten jede Verantwortung für den Anschlag. In einer Erklärung hieß es, der «im Iran regierende Faschismus» verfolge seine eigenen politischen Ziele und versuche «nicht zum ersten Mal», dem Widerstand die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Die Volksmudschahedin hätten mit diesem Mord «nichts zu tun».

Auch der israelische Handelsminister Benjamin Ben-Elieser sagte voraus, dass sein Land sicherlich mit dem Anschlag in Verbindung gebracht werden würde. «Aber ich habe keine Ahnung, was passiert ist, wer es getan hat, aber ich nehme auch an, dass wir es nicht waren», sagte er im israelischen Rundfunk.

Der Tatort im Norden Teherans wurde zur Spurensuche von der Polizei abgeriegelt, die Leiche Ali-Mohammadis zur Untersuchung in die Gerichtsmedizin gebracht. Anwohner berichteten, dass ihnen zunächst untersagt worden sei, ihre Häuser zu verlassen. Festnahmen gab es nach Angaben der Staatsanwaltschaft zunächst nicht.

Widersprüche tauchten im Zusammenhang mit der politischen Orientierung des getöteten Professors auf. Während Ali-Mohammadi von der Staatsanwaltschaft als loyal und regierungstreu eingestuft wurde, wurde auf einer oppositionellen Website behauptet, der Physiker sei ein Anhänger von Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi gewesen.

Atom / Konflikte / Iran
12.01.2010 · 21:00 Uhr
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