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Iran: Erneut Polizeigewalt gegen Demonstranten

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Teheran (dpa) - Erneut sind iranische Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. Mit Schlagstöcken und Tränengas trieben sie am Donnerstag in verschiedenen Stadtteilen Teherans Menschen auseinander.

Die Demonstranten hatten sich trotz eines Verbots zu Trauerkundgebungen für die bei den regierungskritischen Demonstrationen der vergangenen Wochen Getöteten versammelt. Nach Angaben von Augenzeugen kamen allein auf dem großen Teheraner Mosalla-Gebetsplatz tausende Demonstranten zusammen. Auch aus der zentraliranischen Stadt Isfahan wurden Demonstrationen gegen die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad gemeldet. Die US- Regierung kritisierte das Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte.

Mit Schlagstöcken vertrieben Polizisten mehrere hundert Menschen vom Grab der jungen Neda Agha-Soltan auf dem großen Friedhof Behescht-e Sahra im Süden Teherans. Erneut gab es Festnahmen. Die junge Frau, die durch ihren Tod zum Symbol der Protestbewegung gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad geworden ist, war am 20. Juni bei Protesten gegen das Wahlergebnis erschossen worden.

«Es ist besonders verstörend, wenn Sicherheitskräfte Gewalt anwenden, um eine Kundgebung auf einem Friedhof aufzulösen», sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ian Kelly, in Washington. Die USA stünden an der Seite des iranischen Volkes, das sein universelles Recht auf Meinungsäußerung ausübe, sagte er.

Auch Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi wollte sich den Angehörigen der Opfer auf dem Friedhof anschließen, wo Agha-Soltan begraben ist. Schiitische Muslime gedenken der Verstorbenen traditionell 40 Tage nach dem Tod. Sicherheitskräfte hinderten Mussawi jedoch daran, aus seinem Auto auszusteigen. Darauf skandierten die Demonstranten «Allah'u Akbar (Gott ist groß)» und «Tod dem Diktator». Die Polizei, die zu mehreren Hundert angerückt war, trieb die Menge auseinander.

Offiziell waren bei den Protesten der Oppositionsanhänger 20 Menschen ums Leben gekommen. Ein iranischer Abgeordneter hatte vor kurzem aber von 30 Todesopfern gesprochen.

Die Opposition wirft der Regierung Wahlfälschung vor und erkennt die Wiederwahl des erzkonservativen Ahmadinedschad bei der Abstimmung am 12. Juni nicht an. Der Tod der 27 Jahre alten Neda war mit Handykameras aufgenommen und anschließend im Internet verbreitet worden. Sie war von einer Kugel im Bauch tödlich getroffen worden. Die Bilder von ihrem Tod gingen um die Welt. Die genauen Umstände ihres Todes sind weiter ungeklärt.

Konflikte / Innenpolitik / Iran
31.07.2009 · 07:28 Uhr
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