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Iran beschuldigt Washington, London und Islamabad

Iranische Revolutionsgarden (Archivbild): Nach dem Selbstmordanschlag auf die paramilitärischen Revolutionsgarden hat Teheran die USA, Großbritannien und Pakistan als Hintermänner der Tat beschuldigt.Großansicht
Teheran/Islamabad (dpa) - Nach dem verheerenden Selbstmordanschlag auf die paramilitärischen Revolutionsgarden im Iran mit 42 Toten hat Teheran die USA, Großbritannien und Pakistan als Hintermänner der Tat beschuldigt.

Die aus Pakistan operierende radikale Sunnitengruppe Dschundallah (Gottessoldaten) hatte sich zu dem Anschlag bekannt. Bei dem Blutbad in der Provinz Sistan-Balutschistan im Südosten des Irans waren am Sonntag auch sieben Kommandeure der Gardisten ums Leben gekommen. Präsident Mahmud Ahmadinedschad rief die pakistanische Regierung auf, die Dschundallah zu zerschlagen.

Der Chef der Revolutionsgarden, General Mohammed Ali Dschafari, warf dem pakistanischen Geheimdienst vor, die «Gottessoldaten» zu unterstützen. Es gebe zudem Dokumente, die beweisen würden, dass auch die Geheimdienste der Vereinigten Staaten und Großbritanniens Verbindungen zu der Gruppe zu haben. London und Washington hatten bereits am Sonntagabend Vorwürfe der Revolutionsgarden zurückgewiesen, dass die USA und das Vereinigte Königreich für den Anschlag verantwortlich seien. «Berichte über eine angebliche US- Beteiligung sind völlig falsch», sagte Außenamtssprecher Ian Kelly in Washington.

Die Europäische Union verurteilte den Anschlag. In einer Erklärung der schwedischen Ratspräsidentschaft hieß es aus Stockholm, die Union bedaure die tragischen Verluste von Menschenleben. Auch die USA verurteilten die Bluttat. «Wir verurteilen diese terroristische Tat und betrauern den Tod Unschuldiger.»

Bei einer Kabinettssitzung am Montag rief Ahmadinedschad die pakistanische Regierung dazu auf, mit der iranischen Regierung zusammenzuarbeiten, um die Hintermänner der Tat zu stellen. Man müsse den Terroristen entgegentreten. Es dürfe nun nicht weiter gezögert werden, sagte der iranische Präsident an die Adresse Pakistans. Teheran wirft Pakistan vor, nicht genug zu tun, um die Aktivitäten der Dschundallah im Grenzgebiet einzudämmen. Attentätern sei es immer wieder gelungen, nach Anschlägen im Iran über die Grenze nach Pakistan zu gelangen und dort unterzutauchen.

Die pakistanische Regierung sicherte der Regierung in Teheran unterdessen ihre volle Unterstützung bei der Aufklärung der Tat zu. Innenminister Rehman Malik habe seinem iranischen Amtskollegen Mustafa Muhammed Najjar in einem Telefonat mitgeteilt, dass Pakistan alles unternehmen werde, um die Drahtzieher des Anschlags zu fassen, berichtete der Sender Geo TV. Gleichzeitig wies der Minister Vorwürfe zurück, nach denen sich der Chef der Extremisten in Pakistan aufhalten soll. «Abdolmalik Rigi ist nicht in Pakistan», sagte Malik.

Nach Ansicht der Behörden könnte die Tat auch einen kriminellen Hintergrund haben. Der Dschundallah wird Verstrickung in den Drogenhandel vorgeworfen. Das Drei-Länder-Eck im Südosten des Irans gilt als Hauptroute von Drogenhändlern, die Rauschgift aus Pakistan und Afghanistan nach Europa schmuggeln. Derzeit sitzt Abdul-Hamid Rigi, der Bruder des Dschundallah-Anführers, wegen Mordes, Entführung und Drogenhandels in der Todeszelle. Erst im Juli waren 13 Dschundallah-Mitglieder in Zahedan hingerichtet worden.

Zwischen der Dschundallah und iranischen Sicherheitskräften kommt es regelmäßig zu Zusammenstößen. Die Gruppe ist in der Vergangenheit auch für Terroranschläge in der Provinz verantwortlich gemacht worden. Im Mai starben bei einem Anschlag auf eine Moschee in Zahedan 25 Gläubige, rund 80 wurden verletzt.

Terrorismus / Iran
19.10.2009 · 14:45 Uhr
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