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Iraker zweifeln US-Zahlen über Opfer an

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Bagdad/Washington (dpa) - Wie viele Iraker haben als Folge der US-Invasion ihr Leben verloren - sind es 80 000 oder gar 800 000? In Bagdad sorgte am Freitag eine Statistik der US-Streitkräfte für Wirbel, wonach alleine von Anfang 2004 bis August 2008 fast 77 000 Iraker getötet wurden.

Dabei handele es sich um fast 63 200 Zivilisten und knapp 13 800 Angehörige der irakischen Streitkräfte. So erschreckend diese Zahlen auch sein mögen - in Bagdad glaubt man, dass in diesem Zeitraum noch viel mehr Menschen getötet wurden.

Der sunnitische Politiker Zhafer al-Ani sagte: «Im Irak gibt es keine Familie, die von der Gewalt verschont blieb. Ich bin deshalb schockiert von dieser Statistik. Diese amerikanischen Lügen und Vertuschungsversuche überzeugen niemanden.» Al-Ani erklärte, die Schätzung des Medizin-Fachmagazins «Lancet» von 2006 sei wesentlich glaubwürdiger als die Zahlen der US-Armee. Die Studie des «Lancet» stellte damals fest, im Irak seien zwischen März 2003 und Oktober 2006 etwa 655 000 Menschen getötet worden.

Auch der parteilose Politiker Ibrahim al-Sumaidai äußerte Zweifel an den neuen Zahlen. «Es sieht so aus, als wolle die US-Armee der amerikanischen Öffentlichkeit den Eindruck vermitteln, ihr Einsatz im Irak sei ohne große Opfer beendet worden», sagte er. Von der grausamen Wirklichkeit seien diese Zahlen weit entfernt, «vor allem da es in dieser Statistik um die Jahre 2004 bis 2008 geht, also eine Zeit, in der die Gewalt ihren Höhepunkt erreicht hatte».

Konflikte / Irak
15.10.2010 · 22:02 Uhr
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