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Interview: Retortenbabys sind nicht anders

Stockholm/Ulm (dpa) - Gemacht im Reagenzglas, gereift im Labor: Retortenbabys entstehen zunächst anders als normale Babys.

Doch außer an diskriminierenden Bezeichnungen würden diese Kinder an keinen körperlichen oder psychologischen Spätfolgen ihrer künstlichen Erzeugung leiden, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der Ulmer Frauenarzt Rolf Kreienberg, im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Sind Retortenbabys anders als normale Babys?

Rolf Kreienberg: «Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass sie anders aufwachsen, dass sind andere Gene haben oder dass da irgendetwas anderes ist als bei normal gezeugten Kindern. Gut, man muss ein bisschen vorsichtig sein, weil wir noch keine 50, 60, 70 Jahre hinter uns haben. Wir wissen nicht, ob die Kinder im Alter etwa noch Krankheiten entwickeln. Aber gibt bislang keine Anzeichen.»

Wie verkraften Kinder das Wissen, dass sie aus der Retorte stammen?

Kreienberg: «Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein Retortenbaby einen psychischen Schock bekommt, wenn es erfährt, dass es in der Retorte gezeugt wurde. Wenn Kinder mitbekommen, dass ihre Eltern gerne ein Kind wollten, ist die Frage, wie es gemacht wurde, sekundär.»

Wie sollte man daher mit Retortenbabys umgehen?

Kreienberg: «Man muss das Wort man einfach austauschen. Es sind eigentlich Wunschkinder, es sind keine Retortenbabys. Die Bezeichnung Retorte ist etwas ganz Schlimmes, weil es so nach Kunst riecht. Vielleicht finden wir einen neuen Namen, und dann fühlen sich diese Kinder wohler.»

Wissenschaft / Nobelpreise / Medizin
04.10.2010 · 22:08 Uhr
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