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Interview: In Durban mehr herausgekommen als erhofft

Berlin/Hamburg (dpa) - Der Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie, Professor Jochem Marotzke, ist zufrieden mit dem Ergebnis des UN-Klimagipfels von Durban.

Wenn das Kyoto-Protokoll ersatzlos ausgelaufen wäre, dann hätte es seiner Ansicht nach keinen Willen mehr hin zu einem Klimaschutzabkommen gegeben, sagte der Experte im dpa-Interview.

Halten Sie das Ergebnis der Klimakonferenz für einen kleinen Fortschritt oder für einen großen Wurf?

Marotzke: «Es ist so dazwischen ... Es ist mehr herausgekommen, als ich in den letzten Tagen noch erwartet hätte. Für mich ist schon wichtig, dass die Verhandlungen weitergehen und das Kyoto-Protokoll in Kraft bleibt, dass man sich auf den Klimafonds grundsätzlich geeinigt hat und dass dieser Fahrplan beschlossen worden ist.»

Die Länder im weitführenden Kyoto-Abkommen machen nur 15 Prozent der globalen Emissionen aus. Erst 2020 soll ein weitreichender Vertrag folgen. Ist das nicht viel zu spät?

Marotzke: «Kyoto ist wichtig als Einstieg. Dass die Maßnahmen des Kyoto-Protokolls das Klima heute oder in diesem Jahrzehnt nicht direkt beeinflussen, das wussten wir schon immer. Die Frage ist: Wenn das Kyoto-Protokoll aufgegeben worden wäre, was wäre dann die Alternative gewesen? ... Dann hätte die Gefahr bestanden, dass sogar die Bereitschaft zum Verhandeln zusammengebrochen wäre ... Wenn das Kyoto-Protokoll ersatzlos ausgelaufen wäre, dann hätte es überhaupt keinen Willen mehr hin zu einem Klimaschutzabkommen gegeben.»

Kann man in etwa sagen, um wie viel Grad sich die Erde pro Jahr bis 2020 erwärmt haben wird?

Marotzke: «Das ist schwer zu sagen, denn in so kurzen Zeiträumen kommen auch natürliche Schwankungen mit ins Spiel. Wir erwarten, dass sich die Erde um ungefähr 0,2 Grad pro Jahrzehnt erwärmt.»

Viele Forscher gehen davon aus, dass man den Anstieg der Treibhausgase ab 2015 umkehren muss, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Kann das mit diesem Vertrag noch erreicht werden?

Marotzke: «Das ist völlig ausgeschlossen, denn Maßnahmen sollen ja erst 2020 einsetzen. Und das 2015-Ziel war nie realistisch.»

Könnte Deutschland mit seiner Abkehr von der Atomenergie und hin zu erneuerbarer Energie eine Vorbild-Funktion bekommen?

Marotzke: «Ich denke, dass könnte Deutschland durchaus. Es ist teilweise im Ausland auch ziemlich mit Verwunderung aufgenommen worden, dass Deutschland aus der Atomenergie ausgestiegen ist ... Durch den Ausstieg ist der Zwang, neue Technologien zu entwickeln, noch mal wieder deutlicher geworden. Und der Wille - sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik - ist ja da. Ich glaube, dass das wirklich eine Chance für Deutschland und die deutsche Industrie ist.»

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Max-Planck-Institut
UN / Klima
11.12.2011 · 22:02 Uhr
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