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Indien verspricht Hilfe für Bhopal-Giftgasopfer

Die Fabrik von Union Carbide in Bhopal, die zwischen 15 000 und 25 000 Menschen das Leben gekostet hat.Großansicht
Neu Delhi (dpa) - Ein Vierteljahrhundert nach der verheerenden Giftgaskatastrophe in der indischen Stadt Bhopal hat Premierminister Manmohan Singh den Opfern weitere Hilfe zugesichert.

In den vergangenen Jahren habe die Regierung bereits viel getan, um die betroffenen Familien wirtschaftlich und medizinisch zu unterstützen, hieß es in einer am Mittwochabend in Neu Delhi verbreiteten Erklärung des Premiers. Die Menschen verdienten jedoch «unsere andauernde Unterstützung und Anteilnahme». Bürgerrechtler begrüßten die Äußerungen Singhs, warfen der Regierung jedoch vor, nicht in ausreichendem Maße für die Opfer zu sorgen.

Am 3. Dezember 1984 waren aus der Pestizidfabrik des US-Konzerns Union Carbide etwa 40 Tonnen hochgiftiges Methylisocyanat (MIC) ausgetreten. Die meisten Schätzungen gehen davon aus, dass in den 72 Stunden nach dem Unglück 8000 Menschen zu Tode kamen. Mehr als 15 000 weitere starben bis heute an Spätfolgen. Mindestens 100 000 Menschen wurden chronisch krank. Insgesamt waren ein halbe Million Einwohner Bhopal mit dem Gas in Berührung gekommen.

Weiter sagte Premier Singh: «Wir sind es unseren Mitbürgern auch schuldig, alles zu unternehmen, damit eine solche Tragödie nie wieder passiert.» Gleichzeitig würdigte er die zahlreichen nichtstaatlichen Organisationen, die sich «beharrlich für Gerechtigkeit» einsetzten.

In Bhopal demonstrierten am Freitag mehr als 3000 Menschen für eine langfristige Rehabilitierung der Opfer und die Entgiftung des ehemaligen Fabrikgeländes. «Trotz aller Anstrengungen warten viele Betroffene der größten Industriekatastrophe der Geschichte weiter auf Hilfe», sagte der Aktivist Abdul Jabbar der Nachrichtenagentur IANS. Die Einsetzung einer unabhängigen Kommission, die sich mit Fragen wie Opferrenten und der medizinischen Versorgung beschäftigt, habe Premier Singh schon vor anderthalb Jahren angekündigt. «Wir warten jedoch noch immer darauf, dass er sein Versprechen einlöst.»

Auf Plakaten und in Sprechchören forderten die Demonstranten auch, dass die Verantwortlichen der Katastrophe zu Rechenschaft gezogen werden. Bis heute seien weder der damalige Chef von Union Carbide, Warren Anderson, noch andere hochrangige Firmenvertreter bestraft worden, beklagte Rachna Dhingra von der Internationalen Kampagne für Gerechtigkeit in Bhopal (ICJB). Einer der Gründe dafür sei, dass die Regierung dem Union-Carbide-Nachfolger Dow Chemical dabei helfe, sich aus der juristischen und moralischen Verantwortung zu stehlen.

Umwelt / Katastrophen / Indien
03.12.2009 · 15:32 Uhr
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