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Immer mehr zivile Opfer in Afghanistan

US-General Stanley McChrystal hat sich beim afghanischen Volk entschuldigt.Großansicht
Kabul/Laschkarga (dpa) - Nach dem Tod von 27 Zivilisten bei einem NATO-Luftangriff iM Süden Afghanistans hat ein Anschlag Aufständischer weitere Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert.

Bei der Detonation einer Bombe in einem Busbahnhof in der südafghanischen Stadt Laschkarga seien am Dienstag sieben Zivilisten getötet worden, sagte ein Sprecher der Regierung der Provinz Helmand. 14 Zivilisten seien bei dem Anschlag in der Hauptstadt der Provinz verletzt worden. Der Sprecher machte «Feinde Afghanistans» für die Tat verantwortlich. Mit dem Begriff umschreiben afghanische Regierungsstellen Aufständische wie die Taliban.

Der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF, US-General Stanley McChrystal, unterschuldigte sich nach dem NATO-Luftschlag mit 27 Toten persönlich beim afghanischen Volk. «Ich habe eine gründliche Untersuchung in Gang gesetzt, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert», sagte McChrystal nach einer Mitteilung der ISAF vom Dienstag in einer Videobotschaft. «Ich habe unseren Truppen klar gemacht, dass wir hier sind, um die Afghanen zu schützen.» Nach Angaben der afghanischen Regierung waren unter den Toten am Sonntag in der Provinz Daikundi vier Frauen und ein Kind.

Am Montag waren bei einem Anschlag auf Provinzbeamte in der ostafghanischen Provinz Nangarhar 15 Menschen getötet worden, auch hier waren fast alle Opfer Zivilisten. Präsident Hamid Karsai verurteilte den neuesten Anschlag vom Dienstag in Helmand. Er nannte die Täter «Feinde des afghanischen Menschen und ihrer Religion». In Helmand hatte in der vorvergangenen Woche die bislang größte Offensive gegen die Taliban seit dem Sturz ihres Regimes Ende 2001 begonnen. US-Generalstabschef Michael Mullen sagte zu der Operation «Muschtarak» (Gemeinsam), der Fortschritt dort gestalte sich «etwas langsamer als erwartet».

US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte zu den zivilen Opfern: «Woran wir uns erinnern müssen ist, dass wir uns im Krieg befinden.» McChrystal unternehme alles, um zivile Opfer zu verhindern. «Aber es ist auch eine Tatsache, dass sich die Taliban unter Zivilisten mischen und sie zur Deckung benutzen.» McChrystal sagte in der Ansprache, die in die Landessprachen Dari und Paschtu übersetzt wurde: «Ich habe mit Präsident Hamid Karsai gesprochen und mich bei ihm und dem afghanischen Volk entschuldigt.»

Der Präsidentenpalast teilte mit, der Kommandeur der NATO- geführten ISAF sei am Montagabend bei Karsai vorstellig geworden und habe sich für den Tod der Zivilisten entschuldigt. Der General habe Karsai über die «Gründe und technischen Fehler» informiert, die zu dem Vorfall geführt hätten. «Der Präsident verurteilte den Angriff scharf und erinnerte den NATO-Kommandeur daran, dass zivile Opfer ein wesentliches Hindernis für effektive Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus sind und gestoppt werden müssen.» NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen entschuldigte sich ebenfalls offiziell.

Bei der «Operation Enduring Freedom» gegen den Terrorismus und beim Einsatz der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF kamen bisher nach Zählung eines unabhängigen Internetdienstes 1000 US- Soldaten ums Leben gekommen. Rund 90 Prozent davon starben in Afghanistan, wie aus der Statistik von icasualties.org hervorgeht. Amerikanische Soldaten kamen im Rahmen der Anti-Terror-Operation «Enduring Freedom» auch in Ländern wie Kuwait, Somalia und Kenia oder etwa im Golf von Aden ums Leben. Icasualties.org verzeichnet Opfer von Kampfhandlungen und Anschlägen ebenso wie von Unfällen.

Mit 1000 Opfern stellen die Amerikaner den weitaus größten Anteil der laut icasualties.org insgesamt 1657 getöteten ausländischen Soldaten, die bei den Einsätzen in Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 ihr Leben verloren. Seit Jahresbeginn starben demnach bereits 52 US-Soldaten in Afghanistan. Im vergangenen Jahr kamen in Afghanistan 309 US-Soldaten in Afghanistan ums Leben, mehr als in jedem anderen Jahr seit Beginn des Einsatzes. 266 dieser 309 Soldaten wurden bei Anschlägen und Gefechten getötet, die anderen vor allem bei Unfällen wie etwa Hubschrauberabstürzen.

Konflikte / Afghanistan
23.02.2010 · 14:12 Uhr
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