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Immer mehr Rentner jobben für den Unterhalt

Rentner bei einem Protestmarsch gegen Rentenkürzungen und Einsparungen (Archivfoto): Nach einem Zeitungsbericht kommen viele Rentner nur mit einem Nebenjob finanziell über die Runden.Großansicht

Berlin (dpa) - Immer mehr Rentner haben einen Job. Im vergangenen Jahr gingen rund 660 000 Menschen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren noch einer geringfügigen Beschäftigung oder einem Minijob nach.

Das sagte eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums am Montag und bestätigte damit einen Bericht der «Saarbrücker Zeitung». Im Jahr 2000 habe die Zahl jobbenden Rentner noch bei 416 000 gelegen.

Die Ministeriumssprecherin wollte in dem Anstieg um fast 60 Prozent kein Problem von Niedrigrenten sehen. «Es ist einfach so, dass mehr Menschen über 65 noch arbeiten möchten.» Im Jahr 2000 hätten 3 Prozent der Rentner gejobbt, im Jahr 2010 seien es 3,9 Prozent gewesen. Dieser Anstieg sei «nicht so gravierend», die Quote also «relativ stabil geblieben». Altersarmut sei heute kein verbreitetes Problem.

Der Linken-Abgeordnete Matthias Birkwald, der eine kleine Anfrage zu dem Thema an die Bundesregierung gestellt hatte, sagte der «Saarbrücker Zeitung» hingegen: «Ruhestand war gestern, malochen bis zum Tode heißt heute das Schicksal von immer mehr Rentnerinnen und Rentnern.» Gering bezahlte Arbeit führe direkt in die Altersarmut. Birkwald forderte, alle Rentenkürzungsfaktoren abzuschaffen, die Rente mit 67 zurückzunehmen und wieder Mindestentgeltpunkte für Langzeitarbeitslose und Niedrigverdiener einzuführen.

400 000 Menschen im Alter über 65 Jahren beantragten und erhielten dem Bericht zufolge 2009 die staatliche Grundsicherung im Alter - ein Zuwachs von 55 Prozent im Vergleich zu 2003, als es nur 258 000 waren. Allerdings gab es diese Grundsicherung fürs Alter davor noch nicht.

Derzeit gelten etwa 2,5 Prozent der Rentner als arm. Diese Quote liegt deutlich unter dem Armutsrisiko von Alleinerziehenden und Arbeitslosen. Allerdings zeichnet sich ab, dass Altersarmut auch in Deutschland auf mittlere Sicht wegen unsteter Erwerbsbiografien vieler Menschen steigen dürfte. Das Ministerium will dies verhindern und sich über Lösungen mit Arbeitgebern, Gewerkschaften, Sozialverbänden und Wissenschaftlern bei einem «Regierungsdialog Rente» von September an austauschen.

Soziales / Renten / Arbeitsmarkt
22.08.2011 · 14:55 Uhr
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