News
 

Immer mehr Kinder unter Zivilopfern in Afghanistan

Afghanische Mädchen, die bei Kämpfen zwischen Taliban und den NATO-Truppen verletzt wurden, liegen in einem Krankenhaus in Herat. (Archivbild)Großansicht

Kabul (dpa) - Anschläge und Angriffe der Aufständischen in Afghanistan haben zu einer dramatischen Zunahme von zivilen Opfern geführt. Betroffen sind immer mehr Kinder, wie die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) am Dienstag in Kabul mitteilte.

Dagegen habe die Zahl der bei Militäroperationen getöteten oder verletzten Zivilisten deutlich abgenommen. Ungeachtet dieser Abnahme stieg die Gesamtzahl der getöteten und verletzten Zivilisten im ersten Halbjahr 2010 jedoch um 31 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, wie UNAMA berichtete. Bis Ende Juni hätten Aufständische oder ausländische und einheimische Sicherheitskräfte insgesamt 1271 Unbeteiligte getötet (Anstieg von 21 Prozent) und 1997 verletzt, heißt es im UNAMA-Halbjahresbericht zum «Schutz von Zivilisten im bewaffneten Konflikt».

Aufständische wie die radikal-islamischen Taliban seien für 76 Prozent dieser Fälle verantwortlich, was einer Zunahme um 53 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009 entspreche. Sicherheitskräfte haben den Angaben zufolge 12 Prozent der zivilen Opfer zu verantworten. Das sei ein Minus von 30 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, teilte UNAMA weiter mit. Die fehlenden 12 Prozent wurden keiner der Konfliktparteien zugeordnet. Unter den Opfern von Taliban-Gewalttaten seien 55 Prozent mehr Kinder als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Besonders deutlich erhöhte sich die Zahl der getöteten Zivilisten im nordostafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr: Die UN verzeichneten dort binnen eines Jahres einen Anstieg um 136 Prozent. Grund seien verstärkte Aktivitäten der Aufständischen in der einst ruhigen Region, die zur Eskalation des Konflikts führten.

Die Zahl der Zivilisten, die in Afghanistan von den Taliban gezielt ermordet oder hingerichtet worden seien, habe sich fast verdoppelt, teilten die UN weiter mit. Die Aufständischen hätten sogar Kinder öffentlich hingerichtet. Zu einer Zunahme der zivilen Opfer habe auch geführt, dass die Taliban mehr, größere und technisch ausgereiftere Sprengfallen einsetzten. 29 Prozent der getöteten Zivilisten starben bei der Explosion derartiger Sprengsätze.

Bei Militäroperationen starben die meisten Zivilisten weiterhin durch Luftangriffe, teilten die UN mit. Die Zahl der zivilen Opfer bei Luftschlägen sei aber durch veränderte Einsatzregeln der ausländischen Truppen um 64 Prozent zurückgegangen.

«Afghanische Kinder und Frauen tragen zunehmend die Hauptlast dieses Konflikts», sagte der UN-Sondergesandte in Afghanistan, Staffan de Mistura. «Sie werden in ihren Häusern und Gemeinschaften in größerer Zahl getötet und verletzt als je zuvor.» Der Anteil der Frauen unter den Opfern von Anschlägen und Angriffen der Aufständischen nahm nach UNAMA-Angaben um sechs Prozent zu.

UNAMA rief die Taliban-Führung dazu auf, alle Befehle zum Töten von Zivilisten zurückzuziehen und auf den Einsatz von Sprengfallen und Selbstmordattentätern zu verzichten. Auch müssten die Aufständischen aufhören, Zivilisten als lebende Schutzschilde einzusetzen. Die Truppen hingegen sollten ihre Untersuchungen von zivilen Opfern transparenter gestalten.

Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich in der Hauptstadt Kabul am Dienstag nach Polizeiangaben bei einem Angriff auf eine private Sicherheitsfirma in die Luft. Bei der Detonation und einem anschließenden Schusswechsel mit Wachleuten kamen zwei Fahrer der Firma ums Leben. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Vier Angreifer hätten insgesamt 22 Ausländer getötet, erklärten sie in Internet. Angaben der Extremisten haben sich jedoch oft als unzuverlässig erwiesen.

Bericht von UNAMA

Konflikte / UN / Afghanistan
10.08.2010 · 18:07 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen