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Immer häufiger Gewalt gegen Rettungskräfte

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Greifswald (dpa) - Rettungsärzte und Sanitäter müssen sich bei ihren Einsätzen immer häufiger gegen plötzliche Angriffe aggressiver oder betrunkener Menschen wehren.

Die schwierige Arbeit am Rande von Demonstrationen, Fußballspielen oder Ausschreitungen sowie das berufliche Miterleben häuslicher Gewalt werde zunehmend auch für die Helfer zu einer Gefahr, hieß es am Samstag beim 17. Landes- Notärztetag in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern). Der Notfall- Mediziner Matthias Drüner forderte eine bessere psychologische Ausbildung der Kollegen, um Konflikte im Alltag entschärfen zu können. Das Thema «Gewalt im Rettungsdienst» ist Schwerpunkt der diesjährigen Tagung.

Der Gesundheitswissenschaftler und Rettungsassistent Marian Lenk stellte auf der Konferenz erstmals die Ergebnisse einer Studie zu Übergriffen auf Rettungspersonal vor. «Die Zahlen sind noch nicht repräsentativ, geben jedoch klare Hinweise auf das Problem», sagte er der Deutschen-Presse-Agentur dpa. Seinen Angaben zufolge berichteten im Jahr 2007 zwei Drittel der befragten Kollegen von mindestens einem «Gewalterlebnis» während eines Einsatzes. Für seine Untersuchung hatte Lenk 442 Fragebögen an Rettungsmediziner und -assistenten aus den Landkreisen Parchim, Ludwigslust und Neubrandenburg sowie aus sechs weiteren Kreisen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein verschickt.

«Die Spannweite reicht von Beleidigungen über Drohungen bis zur Anwendung echter Gewalt», erklärte Lenk. In mehr als 80 Prozent der Fälle habe der behandelte Patient selbst aggressiv gehandelt. Drüner bestätigte Lenks Eindrücke. Ursachen der Attacken seien vor allem soziale Probleme. So würden Helfer oft zu Drogenabhängigen gerufen, die «potenziell gewaltbereiter» seien. Bei häuslicher Gewalt müssten die Retter aufpassen, nicht selbst Teil des Konflikts zu werden.

Fortbildungen könnten helfen, souveräner mit bösen Überraschungen umzugehen, meinte Drüner: «Uns fehlt in manchen Situationen das Fingerspitzengefühl.» Schutzwesten und Pfeffersprays, die in anderen Bundesländern bereits diskutiert würden, halte er in Mecklenburg- Vorpommern derzeit noch nicht für nötig. «Wenn der Trend zunehmender Gewalt weiter anhält, kann ich mir das aber durchaus vorstellen.»

Gesundheit / Notfälle
26.09.2009 · 14:06 Uhr
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