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Im Porträt: Spitzenkandidaten für die Wahl

Wahlplakate in BerlinGroßansicht

Berlin (dpa) - Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus treten 22 Parteien mit Landes- oder Bezirkslisten an. Im Landesparlament sind fünf Fraktionen vertreten: SPD, Linke, CDU, Grüne und FDP. Chancen hat außerdem die Piratenpartei. Die Spitzenkandidaten:

KLAUS WOWEREIT (SPD): Berlins Regierender Bürgermeister (57) kandidiert für seine dritte Amtszeit. Bekannt wurde Wowereit vor zehn Jahren mit seinem Bekenntnis «Ich bin schwul und das ist auch gut so». Seine lockere Art, sein Werben für Berlin als kreative und weltoffene Metropole und seine vielen Partybesuche machten ihn zu einem der prominentesten Ministerpräsidenten Deutschlands. Der Sohn einer Putzfrau studierte Jura in Berlin und durchlief in der SPD die typische Ochsentour vom Bezirksstadtrat bis zum Fraktionschef im Abgeordnetenhaus.

2001 kam der damals 47-Jährige durch ein Misstrauensvotum ins Amt. Wowereit stürzte seinen langjährigen CDU-Vorgänger Eberhard Diepgen mit Hilfe der Grünen und der PDS. Dieser Tabubruch, in der lange geteilten Stadt mit den SED-Nachfolgern zu paktieren, trug Wowereit die Unions-Kritik vom «Steigbügelhalter der Kommunisten» ein. Später bewies Wowereit Machtbewusstsein und einen starken Willen zum Sparen - der Schuldenberg Berlins wuchs trotzdem weiter, aber langsamer.

RENATE KÜNAST (Grüne): Die 55-Jährige will die erste Grüne und die erste Frau an Berlins Regierungsspitze werden. Nach einem furiosen Start mit ähnlichen Umfragewerten wie der populäre Regierende Bürgermeister Wowereit sind ihre Chancen jetzt eher schlecht. Die spröde Art der kämpferischen Juristin kommt bei den Berlinern nicht sonderlich gut an. Auch Künast selber hat ihren Führungsanspruch ein Stück weit aufgegeben: Ihrer einzigen Option, noch mit Hilfe der CDU Chefin im Roten Rathaus zu werden, erteilte sie eine Absage.

Die Recklinghäuserin begann ihre berufliche wie politische Karriere im eingemauerten Berlin. Ende der 70er Jahre betreute sie Gefangene im Männer-Gefängnis Tegel. 1979 war sie Mitbegründerin der West-Berliner Alternativen Liste. Wiederholt stand sie an der Spitze der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. 2000 wechselte sie als Co-Parteivorsitzende auf die Bundesebene, wurde Verbraucher- und Agrarministerin und ist seit 2005 Fraktionschefin im Bundestag. Künast tritt forsch auf, legt aber auch Wert auf «mittelenglische Umgangsformen».

FRANK HENKEL (CDU): Der 47-Jährige CDU-Politiker steht nach einem heftigen Machtkampf seit 2008 an der Spitze von Fraktion und Partei. Der gelernte Kaufmann, PR-Berater und Journalist hat es als erster CDU-Landesvorsitzender seit 2001 geschafft, die heillos zerstrittene Hauptstadt-Union zu befrieden. Auch an seinem persönlichen Profil hat er deutlich gefeilt. Als Generalsekretär und Innenexperte der CDU- Fraktion bediente Henkel mit seinem Eintreten für Sicherheit und Ordnung vor allem die konservative Klientel. Als Parteichef gibt er sich deutlich liberaler, betont neben der inneren auch die soziale Sicherheit.

Den Anspruch, Berlins nächster Regierungschef zu werden, hat Henkel aufgegeben. Doch den zweiten Platz hinter der SPD und vor den Grünen kann der gebürtige Ost-Berliner vielleicht halten. Das sah lange wegen des kometenhaften Aufstiegs der Grünen anders aus. Henkel konzentriert sich im Duell Wowereit/Künast darauf, die CDU als potenziellen Regierungspartner im Machtpoker zu halten.

HARALD WOLF (Linke): Der Berliner Wirtschaftssenator begann seine politische Karriere in den 80er Jahren bei den Grünen. 1989 bereitete er maßgeblich den ersten rot-grünen Senat mit vor. 1990 verließ der Diplom-Politologe aus Offenbach die Grünen wegen politischer Differenzen und kandidierte als Parteiloser auf der offenen Liste der PDS für das erste Gesamtberliner Landesparlament. 1995 wurde er PDS-Fraktionschef, in die Partei trat er erst 1999 ein.

Der wenig charismatische Wolf beerbte 2002 den eloquenten und charmanten PDS-Star Gregor Gysi als Wirtschaftssenator. Wolf gilt zwar als verlässlicher und kompetenter Senator, doch das Mitreißen ist nicht die Sache des ruhigen 55-Jährigen. Bei der Wahl 2006 halbierte sich der Stimmenanteil der PDS unter seiner Führung fast auf 13,4 Prozent. Jetzt ringt er darum, dass seine Partei nach der Wahl weiter mitregieren kann.

CHRISTOPH MEYER (FDP): Der Bankkaufmann und Jurist hat es mit 36 Jahren schon weit gebracht. Seit zwei Jahren führt er die FDP- Fraktion im Abgeordnetenhaus und seit gut einem Jahr auch den Landesverband. Doch nun könnte die Politkarriere unterbrochen werden. Die FDP liegt in Umfragen seit Monaten konstant unter fünf Prozent und droht aus dem Parlament zu fallen. Das außerparlamentarische Leben kennen die Liberalen schon aus der Zeit von 1995 bis 2001. Wenige Tage vor der Abgeordnetenhauswahl wollte die FDP noch mit Kritik am Euro-Rettungskurs der Bundeskanzlerin punkten.

Meyer blieb bisher zu blass und rhetorisch zu unauffällig, um die FDP als bürgerliche Oppositionskraft neben CDU und Grünen zu etablieren. Der gebürtige Berliner verbrachte sein ganzes Leben in seiner Heimatstadt. Als 18-Jähriger trat er in die FDP ein. 2002 zog Meyer als Nachrücker von Günter Rexrodt ins Landesparlament ein. Von 2006 bis 2009 war er Vize-Fraktionsvorsitzender.

ANDREAS BAUM (Piraten): Der 33 Jahre alte Industrieelektroniker ist zum Shootingstar des Wahlkampfes geworden. Der einstige Außenseiter will Neuland betreten und hat gute Chancen, seine Partei zum ersten Mal in ein deutsches Landesparlament zu führen. Dabei gilt für Baum die Devise, anders - transparenter und bürgernah - Politik zu machen. Nach den Umfragen erzielt die Piratenpartei, die sich stark um Internetthemen kümmert, deutlich mehr als fünf Prozent der Stimmen.

Baum, der als Kundenberater bei einer Berliner Internetfirma arbeitet, ist seit Gründung der Partei im Jahr 2006 dabei. Eine politische Karriere aber habe er sich nie gezielt vorgenommen, sagt der in Kassel geborene 33-Jährige. Der unaufgeregt wirkende Politik-Neuling räumt unumwunden ein, dass er und seine Mitstreiter noch Nachholbedarf haben, was etwa die Strukturen im Abgeordnetenhaus angeht. Viel Spott brachte ihm eine Wissenslücke ein: Baum hatte sich bei der Höhe der Berliner Schulden in einem Interview arg verschätzt.

Wahlen / Abgeordnetenhaus / Berlin
18.09.2011 · 08:35 Uhr
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