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Im Jemen entführte Mädchen wieder in Deutschland

Ortsschild von Meschwitz: Die beiden im Jemen befreiten Mädchen stammen aus der Gemeinde Hochkirch (Kreis Bautzen) in SachsenGroßansicht
Dresden/Berlin (dpa) - Fast ein Jahr nach ihrer Entführung im Jemen sind zwei Mädchen aus Sachsen wieder zurück in Deutschland. Die sechsjährige Lydia und die vierjährige Anna aus Meschwitz bei Bautzen kamen am Mittwochnachmittag mit einer Bundeswehr-Maschine in Dresden an.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin wurden die Schwestern von einem Arzt und einer Psychologin begleitet. «Sie sind in sicherer Obhut der Familie», sagte der Schwager des noch vermissten Vaters, Reinhard Pötschke. Die Mädchen seien zurückhaltend, doch «soweit geht es ihnen gut.»

Über das Schicksal der 37-jährigen Eltern und des knapp zweijährigen Bruders Simon gibt es weiterhin keine Gewissheit. Man sei aber bemüht, Klarheit zu schaffen, hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Die Schwestern waren am Montag befreit und nach Saudi-Arabien gebracht worden. In der saudischen Hauptstadt Riad holte sie eine Maschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr ab. Auf dem Rückflug waren auch Mitglieder des Krisenstabes und eine Tante der Mädchen an Bord. Zum jetzigen Aufenthaltsort der Mädchen wollte der Ministeriumssprecher keine näheren Angaben machen.

Die Angehörigen wollen die Kinder nun von der Öffentlichkeit abschirmen und in ein sicheres Umfeld bringen. «Sie müssen zur Ruhe kommen», sagte Pötschke. Die Familie aus Ostsachsen war am 12. Juni 2009 zusammen mit vier weiteren Ausländern in der nordjemenitischen Provinz Saada verschleppt worden. «Wir haben immer noch die Hoffnung, dass alle leben», sagte Pötschke. Dennoch rechneten die Angehörigen mit dem Schlimmsten.

Die in Dresden erscheinende «Sächsische Zeitung» berichtet in ihrer Donnerstag-Ausgabe, dass die geretteten Kinder gesund seien. Sie seien weder unterernährt noch sonnenverbrannt. Das lasse darauf schließen, dass sie in den vergangenen Monaten in der Obhut eine Familie waren oder von einer Frau betreut wurden. Beide Kinder sprächen Arabisch, das ältere der Mädchen verstehe noch ein bisschen Deutsch.

Die jemenitische Führung wurde von der Rettung der beiden deutschen Kinder aus Geiselhaft im Nordwesten des Landes am Montag überrascht. Die Regierung, die in den vergangenen Wochen mehrfach öffentlich über das Schicksal der Geiseln spekuliert hatte, äußerte sich bislang nicht zu den jüngsten Entwicklungen. Die staatsnahen Medien schwiegen auch am Mittwoch noch dazu, dass die Mädchen am Montagabend nach Saudi-Arabien gebracht worden waren.

Unabhängige Beobachter hatten bereits kurz nach der Entführung der neun Ausländer im vergangenen Juni spekuliert, dass eine sunnitische Islamistengruppe hinter der Geiselnahme steckt. Ziel der Geiselnehmer sei es gewesen, das Verbrechen den schiitischen Houthi-Rebellen in die Schuhe zu schieben, um einen Vorwand für eine neue Offensive gegen die Rebellen zu haben. Tatsächlich begann wenige Wochen später eine Offensive gegen die Rebellen, die eine Beteiligung an der Entführung abstreiten. Sie endete erst im vergangenen Februar.

Das Innenministerium von Saudi-Arabien hatte zwar am Dienstag betont, die Rettung der Mädchen sei in Abstimmung mit der jemenitischen Führung erfolgt. Beobachter vor Ort vermuten jedoch, dass dies reine Höflichkeit war, um die Regierung in Sanaa nicht untätig aussehen zu lassen. Für Spekulationen aus jemenitischen Regierungskreisen, wonach die Saudis für die Kinder Lösegeld bezahlt haben sollen, gibt es keine Bestätigung.

Konflikte / Entführungen / Jemen / Deutschland
19.05.2010 · 18:35 Uhr
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