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Im Iran festgehaltene Französin zurück in Paris

Französin darf ausreisenGroßansicht
Paris/Teheran (dpa) - Fast elf Monate war sie im Iran wegen des Vorwurfs der Spionage festgehalten worden, jetzt ist die 24-jährige Französin Clotilde Reiss wieder in ihrer Heimat.

Sie traf am Sonntagmittag in einer Regierungsmaschine in Paris ein. Gleich nach ihrer Landung wurde sie mit ihrer Familie von Präsident Nicolas Sarkozy im Élysée empfangen. Der Fall hatte zu erheblichen Spannungen im Verhältnis zwischen Frankreich und dem Iran geführt.

Unterdessen wies Außenminister Bernard Kouchner Vermutungen zurück, die Ausreise der jungen Universitätsdozentin sei durch die Freilassung eines in Paris inhaftierten Iraners erreicht worden. «Es gab keine Gegenleistung», sagte er dem Sender Radio-J. Auch der Iran dementierte entsprechende Berichte.

Reiss bedankte sich bei Sarkozy für seinen Einsatz. «Diese Zeit war eine harte Prüfung, die sehr viel Kraft gekostet hat. Ich bin sehr erleichtert, frei zu sein und meine Familie wiederzusehen», sagte sie in einer kurzen Ansprache vor dem Élysée. Sie erwähnte ihre ehemaligen Mithäftlinge, die sie wie ihre Schwester behandelt hätten. Zwei von ihnen seien im Januar exekutiert worden.

Reiss war am Vortag nach Angaben ihres Anwalts zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Diese sei jedoch «aufgrund der persönlichen Situation» der jungen Frau in eine Geldstrafe in Höhe von knapp 250 000 Euro umgewandelt worden. Reiss verließ Teheran unter größter Diskretion. Der Élysée gab ihre Ausreise erst bekannt, als sie bereits in Dubai zwischengelandet war.

Die junge Frau hatte im vergangenen Jahr an der Universität von Isfahan Französisch unterrichtet. Sie war von der iranischen Kultur begeistert und lernte nebenher Farsi. Nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Juni 2009 berichtete sie in E-Mails über Proteste und ging auch selbst auf die Straße. Daraufhin wurde sie unter Spionageverdacht festgenommen und verbrachte knapp sieben Wochen in Haft.

Später trat sie in einem Gerichtsverfahren auf, in dem sie sich nach iranischen Angaben schuldig bekannte. Sie wurde aus der Haft entlassen, stand aber faktisch unter Hausarrest in der französischen Botschaft in Teheran. Für ihre Freilassung hatte sich unter anderem der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade eingesetzt, der derzeitige Vorsitzende der Organisation der Islamischen Konferenz.

Sarkozy hatte einen Austausch mit in Frankreich inhaftierten Iranern offiziell zurückgewiesen. Allerdings durfte in der vergangenen Woche der iranische Ingenieur Majid Kakavand in seine Heimat zurückkehren, nachdem Frankreich ein Auslieferungsgesuch aus den USA abgelehnt hatte. Dort steht Kakavand unter Verdacht der Militärspionage. In der kommenden Woche soll außerdem über eine Freilassung von Ali Vakili Rad entschieden werden. Er war 1994 in Frankreich für den Mord an dem ehemaligen iranischen Premierminister Schapur Bachtiar zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Konflikte / Justiz / Iran / Frankreich
16.05.2010 · 16:24 Uhr
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