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Im ADAC-Skandal wächst der Druck auf den Autoclub

Der ADAC-Autopreis «Gelber Engel» war einst begehrt. Foto: Tobias HaseGroßansicht

München (dpa) - Im Skandal um Manipulationen beim Autopreis «Gelber Engel» gerät der ADAC zunehmend unter Druck. Die Staatsanwaltschaft interessiert sich für die Affäre.

Autobauer VW und Branchenverband VDA fordern Aufklärung. Zugleich scheinen konkurrierende Autoclubs von der Zahlenfälschung bei dem mit Abstand größten Autofahrer-Verband zu profitieren.

Als Reaktion auf die manipulierten Zahlen will Volkswagen vorerst auf Werbung mit dem «Gelben Engel» verzichten. Man erwarte lückenlose Aufklärung innerhalb des ADAC, sagte ein VW-Sprecher am Dienstag. Bis dahin gelte: «Wir werden nicht mit dem "Gelben Engel" werben.»

ADAC-Präsident Peter Meyer lehnte einen Rücktritt ab. Er bekannte sich zu Geschäftsführer Karl Obermair, der Manipulationen beim ADAC zunächst abgestritten und später eingeräumt hatte. Die Staatsanwaltschaft München startete eine «Vorprüfung». Die Behörde teilte mit, aufgrund der Medienberichte prüfe man, ob Straftatbestände berührt sein könnten. Sie betonte zugleich, bisher sei kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Der ADAC bot der Staatsanwaltschaft in München «vollumfängliche Unterstützung» an.

Wörtlich heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft: «Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass zum jetzigen Zeitpunkt kein Anfangsverdacht für eine verfolgbare Straftat besteht und deshalb kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde.» Nun werde «im Rahmen eines Vorprüfvorgangs» untersucht, ob Straftatbestände vorliegen könnten.

Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung über den Prüfvorgang berichtet. «Betrug scheidet ja offenbar aus. Bleiben noch Bestechung oder Vorteilsnahme als mögliche Ermittlungs-Tatbestände», sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch dem Blatt. Relevant werde dies aber erst, wenn es Anhaltspunkte dafür gebe, dass Geld geflossen sei - dafür gebe es momentan aber keine Anhaltspunkte, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Zu Informationen der «Süddeutschen Zeitung», wonach Volkswagen erwägt, den «Gelben Engel» für den VW-Golf zurückzugeben, sagte der VW-Sprecher, es hänge von der weiteren Aufklärung beim ADAC ab, wie man weiter mit dem Preis umgehen werde. Sollten Autohersteller entscheiden, «Gelbe Engel» zurückzugeben, wäre dies ein weiterer Imageschaden für den Autoclub.

Aufklärung verlangt neben Europas größtem Autobauer VW auch der Verband der deutschen Automobilindustrie VDA. Die vom ADAC angekündigte Transparenz «ist dringend nötig, denn nur so kann die Glaubwürdigkeit des Verfahrens wiederhergestellt werden», sagte ein VDA-Sprecher der Zeitung «Die Welt».

In der «Bild»-Zeitung sagte ADAC-Präsident Meyer: «Wenn der Wind von vorne kommt, muss man das auch mal aushalten können. In diesem Fall bin ich auch der Garant für die Aufklärung in der Sache.» Meyer verteidigte auch seinen Geschäftsführer. «Wir haben volles Vertrauen in die Arbeit von Dr. Obermair, der mit der umfassenden Aufklärung der Angelegenheit beauftragt ist. Er ist Aufklärer und nicht Verursacher», sagte Meyer der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Meyer versicherte, dass bei Tests - beispielsweise von Autobahnraststätten oder Kindersitzen - nicht geschummelt wurde. «Unsere Technik- und Verbraucherschutztests werden nach festgelegten, stets nachprüfbaren Kriterien durchgeführt. Teilweise sind Zertifizierungsunternehmen an diesen Tests beteiligt; insofern ist eine Manipulation dort ausgeschlossen.»

Der Kommunikations- und PR-Experte Klaus Kocks forderte dagegen einen sofortigen Managementwechsel beim ADAC. «Der ADAC ist ein Staat im Staat, eine riesige Organisation, die gewaltige Geldmengen bewegt, aber organisiert ist wie ein Kaninchenzüchterverein», sagte Kocks dem Hessischen Rundfunk. Mit seiner heutigen Führung sei der ADAC nicht in der Lage, das Vertrauen der Autofahrer wiederherzustellen.

Der Auto Club Europa (ACE) und der Automobilclub von Deutschland (AvD) registrierten derweil gesteigertes Interesse an ihren Angeboten. Die Leitungen seien überlastet gewesen, sagte ein ACE-Sprecher. «Viele Anrufer sind leider nicht durchgekommen.» Auf der Webseite habe fünf Mal mehr Zugriffe als sonst gegeben. Ob die Mitgliederzahl von rund 580 000 steigen werde, sei noch unklar, da wechselwillige ADAC-Mitglieder Kündigungsfristen einhalten müssten.

Auch beim kleineren Automobilclub für Deutschland (AvD) stiegen die Anfragen seit Bekanntwerden der Betrugsvorwürfe sprunghaft an, wie eine AvD-Sprecherin der «Rheinischen Post» sagte. «Wir hatten seit dem Wochenende ein sehr stark erhöhtes Anrufvolumen. Viele Anrufer wollten sich nach unseren Konditionen erkundigen.»

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) bekannte sich demonstrativ zum ADAC. «Ich bin Mitglied. Und ich bleibe Mitglied», sagte Kauder dem Fernsehsender N24. Natürlich seien die Manipulationen nicht in Ordnung. «Aber ich bin nicht bereit, die Serviceeinrichtung ADAC jetzt in Bausch und Bogen zu verurteilen.»

Verbände / Auto / Verkehr / ADAC
21.01.2014 · 17:56 Uhr
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