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Ifo-Chef Sinn sieht keine Euro-Systemkrise

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München (ifo), Hans-Werner Sinn.Großansicht
München (dpa) - Das Ifo-Institut sieht trotz der Zuspitzung der Verschuldung in der Eurozone keine Systemkrise des Euro. Gemessen an der Kaufkraft sei die Gemeinschaftswährung «immer noch überbewertet».

Das sagte der Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, laut einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung. Sinn sieht den «fairen Kurs» des Euros bei etwa 1,14 US-Dollar und damit deutlich unter dem aktuellen Kurs von rund 1,24 Dollar. In der Spitze hatte der Euro 2008 fast 1,60 Dollar gekostet - der Tiefstand lag 2000 bei ungefähr 0,83 Dollar.

«Auch die Inflationsrate gibt keinen Anhaltspunkt für die Gefährdung der Währung», sagte Sinn weiter. Die aktuelle Teuerung in Deutschland liege mit etwa 1,5 Prozent deutlich unter der durchschnittlichen Inflationsrate in der DM-Ära. «Gefährdet war in der Krise nicht der Euro, sondern die Fähigkeit der europäischen Schuldensünder, sich weiterhin so günstig zu finanzieren wie Deutschland», so Sinn.

Nach Einschätzung des Ifo-Chefs beschert die aktuelle Schuldenkrise vor allem den Bankhäusern, insbesondere in Frankreich, massive Probleme. Mit der jüngsten Verschärfung der Schuldenproblematik drohe der Marktwert der Staatsanleihen in den Banken-Portfolios weiter zu fallen. Deshalb hätten insbesondere die Franzosen Deutschland zu einem Rettungsschirm für finanziell angeschlagene Mitgliedstaaten der Eurozone gedrängt, sagte Sinn.

«Wird der Rettungsschirm Gesetz, übernimmt Deutschland de facto die Gewährleistung für die Schulden der anderen Eurostaaten», kritisierte der Ifo-Chef. Die Devisenmärkte hätten bereits erkannt, dass durch den Rettungsschirm das Risiko für den Euro insgesamt eher gestiegen sei. Zuvor habe sich der Verkaufsdruck der Märkte noch eher auf die Wertpapiere der Schuldenländer konzentriert. Vor allem für Deutschland stelle der Rettungsschirm «ein unkalkulierbares Abenteuer» dar und «eine sichere Wachstumsbremse».

Finanzen / Währung / Euro
20.05.2010 · 11:46 Uhr
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