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IAEA besorgt: Beseitigt Iran verdächtige Spuren?

Irans Chefunterhändler Saeed Jalili bei Gesprächen zu Teherans Atomprogramm. Foto: epa/str/ArchivGroßansicht

Washington/Moskau/Wien (dpa) - Auch ohne konkrete Fortschritte sind die Atomgespräche mit dem Iran in Washington und Moskau positiv bewertet worden. Schon die Vereinbarung, die Verhandlungen im kommenden Monat fortzusetzen, sei eine gute Entwicklung, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney.

Das russische Außenministerium lobte am Freitag die «konstruktive und sachliche Atomsphäre» der zweitägigen Gespräche in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Die Atomenergiebehörde IAEA äußerte indes in einem neuen Bericht die Befürchtung, der Iran könnte verdächtige Spuren eines mögliches Atomwaffenprogramms in einer Anlage in Parchin beseitigen.

«Der Verhandlungsweg ist mühsam. Aber er muss gegangen werden», sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin. Das Treffen der fünf Ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich) und Deutschlands mit dem Iran am Mittwoch und Donnerstag in Bagdad sei ein «Einstieg in substanzielle Gespräche» gewesen, sagte Westerwelle. Die nächste Gesprächsrunde ist für den 18. und 19. Juni in Moskau vereinbart.

Das russische Außenministerium teilte mit, zwar hätten sich bei den bisherigen Gesprächen «beachtliche Meinungsunterschiede» gezeigt. Dennoch wollten beide Seiten weiter aktiv nach einer allgemein akzeptablen Lösung suchen.

Die USA hätten keinen Durchbruch erwartet, sagte Regierungssprecher Carney. Es seien aber «konkrete Ideen» ausgetauscht worden. «Worauf wir achten, sind Fortschritte», betonte er.

Vertreter der sogenannten 5+1-Gruppe hatten in Bagdad einen Lösungsvorschlag auf den Tisch gelegt, der den Iran von der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent abbringen soll. Sie gilt als wichtiger Schritt in Richtung einer höheren Anreicherung, mit der auch waffenfähiges Uran hergestellt werden könnte. Zudem enthielt der Vorschlag vertrauensbildende Maßnahmen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die die internationale Delegation leitet, sagte: «Der Iran hat sich bereiterklärt, die Frage der Anreicherung auf 20 Prozent anzugehen und seinen eigenen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt, darunter auch die Forderung, dass wir ihr Recht auf (Uran-)Anreicherung anerkennen.» Die Gespräche seien «sehr intensiv und detailliert» gewesen.

Die Atomenergiebehörde befürchtet, der Iran könnte derzeit verdächtige Spuren eines mögliches Atomwaffenprogramms in einer militärischen Testanlage in Parchin nahe Teheran verwischen. Dort seien lange keine besonderen Aktivitäten beobachtet worden, aber jetzt gebe es rund um die Anlage so viel Betrieb, Lastwagen und Autos, dass der Verdacht bestehe, eine wirksame Überprüfung solle verhindert werden, heißt es in einem neuen IAEA-Bericht.

Die IAEA-Kontrolleure fordern schon lange Zugang zu der Anlage in Parchin, wo nach Einschätzung westlicher Geheimdienste Bestandteile von Atomsprengköpfen getestet werden. Am Montag hatten sich die IAEA und der Iran grundsätzlich geeinigt, dass die Kontrolleure mehr Informationen erhalten. Die Einigung ist aber noch nicht unterzeichnet worden.

In dem IAEA-Bericht heißt es weiter, in einer Anlage in Fordo seien zusätzliche Mengen Uran auf das Niveau von 20 Prozent angereichert worden. Die Gesamtmenge dieses Urans soll jetzt bei 94 Kilogramm liegen. Zudem hätten Techniker neue Zentrifugen zur Anreicherung aufgebaut.

Ein europäischer Diplomat sagte der dpa, sollte der Iran weiter so viel derartiges Uran herstellen und es auf mindestens 80 Prozent anreichern, könnte er Ende des Jahres genug davon haben, um eine Atombombe zu bauen. Die IAEA-Kontrolleure fanden in Fordo zudem auf 27 Prozent angereichertes Uran. Der Iran argumentierte, aus technischen Gründen hätten die Zentrifugen das Uran höher angereichert als geplant.

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IAEA-Bericht
Konflikte / Atom / IAEA / Iran
25.05.2012 · 20:02 Uhr
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