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IAA 2009 zwischen Krise und Hoffnung

VDA-Chef WissmannGroßansicht
Frankfurt/Main (dpa) - Die gebeutelte Autoindustrie hofft auf ein Ende der Krise: Die Branche schwankt auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt zwischen Zukunftshoffnung und Alltagsfrust.

Während die Autohersteller Optimismus verbreiten und viele Anbieter auf Elektro-Autos als Modelle der Zukunft setzen, bekam der Zulieferer ZF Friedrichshafen ausgerechnet am IAA-Pressetag Staatshilfe zugesagt. Die Nummer drei der Branche in Deutschland soll einen Kredit über 250 Millionen Euro erhalten.

Für die meisten großen deutschen Hersteller geht es in der wohl schwersten Branchenkrise derzeit bestenfalls um Schadensbegrenzung. BMW hofft zwar auf schwarze Zahlen in diesem Jahr - allerdings mit einem drastischen Gewinneinbruch. Audi will besser abschneiden als die Konkurrenz - aber immer noch mit einem Absatzrückgang von zehn Prozent. Für Porsche brachte das Ende Juli abgelaufene Geschäftsjahr mit drastischen Geschäftsrückgängen das Ende der jahrelangen Erfolgsfahrt. Daimler-Chef Dieter Zetsche rechnet mit einer umfangreichen Erholung des Premium-Marktes erst im Jahr 2011.

Opel kommt auch auf der IAA nicht aus dem Schatten des Übernahmepokers heraus. Der IAA-Auftritt von Opel wurde von Streit um die Sparpläne des neuen Eigentümers Magna überschattet. Zudem zeigen sich Autobauer über die neue Doppelrolle ihres wichtigen Zulieferers Magna verärgert.

Einzig VW konnte auf der IAA auftrumpfen - auch mit Rückenwind der nun ausgelaufenen Abwrackprämie. Nach dem Ende des Machtkampfs um Porsche setzt VW voll auf Angriff: Auf dem Weg an die Weltspitze soll der Konzern weiter ausgebaut werden. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch deutete in Frankfurt an, der Konzern strebe nach der Integration von Porsche die Übernahme von zwei zusätzlichen Marken an. Dabei hat Volkswagen den japanischen Konkurrenten Suzuki und den Münchner Lastwagenbauer MAN im Visier.

Praktisch alle Hersteller kündigten auf der IAA Elektrofahrzeuge an, die über die harte Realität der dramatischen Krise hinweghelfen sollen. Jedoch bleiben viele Fragezeichen: Frühestens 2010 werden die ersten Elektroautos in Serie gehen.

Renault bekannte sich dabei so stark wie bisher kein anderer großer Hersteller zur Elektro-Zukunft: Die Franzosen wollen in den Jahren 2011 und 2012 gleich mit vier neuen Modellen auf den Markt rollen: Stadtwagen, Kleinwagen, Limousine und Kastenwagen. In Frankfurt waren zu nächst nur Prototypen zu sehen. Renault und der japanische Partner Nissan investieren vier Milliarden in die Entwicklung, sagte der Chef der beiden Unternehmen, Carlos Ghosn. Unter anderem durch öffentliche Subventionen sollen die Preise mit denen heutiger Diesel-Autos vergleichbar sein. Er erwartet zum Jahr 2020 einen Marktanteil von zehn Prozent für Elektrofahrzeuge. In Deutschland baut RWE als Partner ein Netz von Ladesäulen auf.

Der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch rechnet im laufenden Jahr mit tiefroten Zahlen und baut weltweit mehrere tausend Jobs ab. Der Umsatz werde 2009 um rund 15 Prozent einbrechen, dies werde zu einem «deutlich negativen Ergebnis» führen, sagte Konzernchef Franz Fehrenbach. «Ende 2009 wird die Bosch-Gruppe mit voraussichtlich 270 000 rund 10 000 Mitarbeiter weniger als zu Beginn des Jahres haben.»

Bei Porsche sank der Absatz in dem Ende Juli abgeschlossenen Geschäftsjahr um 24 Prozent auf 75 200 Sport- und Geländewagen. Der Umsatz rutschte um 12 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro ab. Die Produktion wurde bei den Stuttgartern um 27 Prozent auf 76 700 Autos zurückgefahren. Erstmals in der Unternehmensgeschichte herrscht auch bei Porsche Kurzarbeit.

BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner kündigte an: «Wir werden darum kämpfen, dass wir schwarze Zahlen im Konzern haben.» Im vergangenen Jahr war der Gewinn von BMW um fast 90 Prozent auf 330 Millionen Euro eingebrochen. Für das Gewinnziel dürfe das Absatzminus in diesem Jahr allerdings nicht die Marke von 15 Prozent überschreiten, betonte Eichiner. In den ersten acht Monaten hatte BMW 17,7 Prozent weniger verkauft als im Vorjahr.

Daimler-Chef Zetsche sieht an den Märkten deutliche Anzeichen der Erholung. «Deshalb können wir unsere Prognosen bestätigen: Wir werden das zweite Halbjahr besser abschließen als das erste.» Die Ergebnisse des Autobauers würden sich von Quartal zu Quartal verbessern, sagte Zetsche. Die Personenwagen-Sparte Mercedes-Benz Cars werde im zweiten Halbjahr einen operativen Gewinn einfahren.

www.iaa.de

Auto / Messen / IAA
15.09.2009 · 17:55 Uhr
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