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Hungersnot: Flüchtlingscamps in Äthiopien sind voll

UN: Dürre in Somalia schlimmste humanitäre KatastropheGroßansicht

Dolo Ado (dpa) - In Äthiopien ist ein drittes, erst vor wenigen Wochen eröffnetes Flüchtlingslager für die Dürre-Opfer aus Somalia bereits voll. Mit fast 25 000 Menschen sei das Lager Kobe seit vergangenem Samstag voll ausgelastet, so UNHCR-Koordinator Jo Hegenauer bei einem Besuch in der Region.

«Ein weiteres Camp ist schon in Vorbereitung», betonte er. Die Sterblichkeitsrate in den Zentren an der somalischen Grenze sei extrem hoch, «besonders bei Kleinkindern».

Ein Mitarbeiter des Welternährungsprogramms (WFP) sagte, erst vor wenigen Tagen sei mitten in Kobe ein Friedhof entdeckt worden, auf dem die Flüchtlinge offenbar ihre verstorbenen Familienangehörigen beigesetzt hätten. «Die ankommenden Menschen sagen uns immer wieder, dass sie großen Hunger haben», erklärte Hegenauer. Das WFP verteilt als Erstversorgung unter anderem mit Vitaminen und Mineralien angereicherte Lebensmittel, während «Ärzte ohne Grenzen» die unterernährten Kinder medizinisch versorgt.

«Es ist überwältigend, wie stark das Camp in kurzer Zeit gewachsen ist», meinte WFP-Sprecherin Judith Schuler. Dennoch habe der Andrang verzweifelter Menschen in den vergangenen Tagen nachgelassen, so Hegenauer. Die Gründe hierfür sind aber nicht klar, da die Dürre am Horn von Afrika unvermindert anhält. «Vielleicht hat es damit zu tun, dass die Al-Shabab-Miliz in Somalia jetzt erstmals seit Jahren wieder Hilfslieferungen direkt im Land zulässt», erklärten UN-Mitarbeiter.

Insgesamt leben derzeit über 112 000 Menschen in den drei äthiopischen Camps in der Region Dolo Ado. Die meisten von ihnen sind Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren. Wie ihre Zukunft aussieht, ist ungewiss: «Die internationale Gemeinschaft wird irgendwann über ihr Schicksal entscheiden, aber traditionell bleiben die Somalier sehr lange in den Flüchtlingscamps», sagte Hegenauer.

«Wenn ich hier etwas zu essen bekomme, dann bleibe ich», meinte die 19-jährige Mariam Gamele kurz nach ihrer Registrierung. Sie war fünf Tage und Nächte lang zu Fuß nach Dolo Ado unterwegs gewesen.

Das Horn von Afrika leidet derzeit unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren. Betroffen ist vor allem das Bürgerkriegsland Somalia. Viele Menschen dort haben ihr gesamtes Vieh und ihre Ernte verloren und machen sich auf der Suche nach Hilfe meist zu Fuß oder per Lastwagen auf, um die Camps in den Nachbarländern Äthiopien und Kenia zu erreichen.

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UN / Hunger / Äthiopien / Somalia
19.07.2011 · 21:34 Uhr
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