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Hunderte Syrer in Homs getötet

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Kairo/New York/München (dpa) - In Syrien eskaliert die Gewalt. Unmittelbar vor einer Abstimmung im Weltsicherheitsrat erlebte das Land die blutigsten Kämpfe seit Beginn des Volksaufstandes vor elf Monaten.

Bei einem stundenlangen Beschuss von Wohnvierteln mit Panzer- und Mörsergranaten sind in der Rebellenhochburg Homs mindestens 330 Menschen getötet und weitere 1000 verletzt worden, wie Aktivisten am Samstag aus der belagerten Stadt berichteten.

Derweil rangen die Mitglieder des Sicherheitsrates bis zuletzt um den Wortlaut einer gemeinsamen Resolution, mit der Blutvergießen in Syrien beendet werden soll. «Es sieht derzeit noch sehr schwierig aus», sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) eine Stunde vor Beginn der Sitzung in New York.

Hartnäckigster Gegner eines vorliegenden Resolutionsentwurfes war bis zuletzt Russland. Sowohl Westerwelle als auch US-Außenministerin Hillary Clinton hatte am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow verhandelt. Russland werde nur zustimmen, wenn zwei Dinge klar seien, sagte Lawrow. Zum einen müsse die Gewalt bewaffneter Gruppen genauso verurteilt werden wie die der Regierung. Außerdem müsse jede Resolution die Möglichkeit ausschließen, von außen militärisch einzugreifen.

Zuvor war auf russisches Drängen bereits der von Arabern und Europäern eingebrachte Entwurf der Syrien-Resolution verwässert worden. Die Ächtung des Waffenhandels, der Ruf nach freien Wahlen und der Ablösung von Assad fanden sich nicht mehr in dem Kompromisspapier.

Lawrow will an diesem Dienstag zu einem Treffen mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad nach Damaskus fliegen. Auch der Chef des Auslandsgeheimdienstes SWR, Michail Fradkow, nimmt auf Anordnung von Kremlchef Dmitri Medwedew an der Reise teil. Das berichtete die Agentur Interfax.

Das syrische Regime wies Berichte über ein Blutbad in Homs als gezielte Medienkampagne und Lügenmärchen zurück. Damit wolle die Opposition nur den Weltsicherheitsrat beeinflussen, hieß es.

In Homs herrschten in der Nacht zum Samstag kriegsähnliche Zustände. Mitglieder der Protestbewegung berichteten der Nachrichtenagentur dpa, dass Regierungstruppen die Stadt gestürmt und dann Stadtviertel gezielt mit Panzergranaten beschossen hätten. «Menschen sterben im Schutt ihrer eingestürzten Häuser», sagte der Aktivist Aiman Idlibi. Die Kämpfe konzentrierten sich vor allem auf den Stadtteil Al-Chalidija, einem Zentrum der Protestbewegung.

Nicht nur in Homs, sondern auch in anderen Landesteilen weitete das Regime seine Offensive gegen die Opposition aus. Am Stadtrand von Damaskus eröffneten Sicherheitskräfte nach Angaben von Aktivisten das Feuer auf eine Trauerprozession für zwei Opfer der Gewalt vom Vortag und tötete mehrere Teilnehmer. Die Region um Al-Sabadani an der libanesischen Grenze sei ebenfalls heftig unter Beschuss geraten. Als Reaktion auf die jüngste Eskalation kündigte die Opposition Angriffe in der Hauptstadt Damaskus an.

Die neue Runde der Gewalt brach aus, nachdem in Syrien tausende Menschen des Massakers in der syrischen Stadt Hama vor 30 Jahren gedacht hatten. Anfang Februar 1982 waren nach Schätzungen Zehntausende Menschen durch Truppen des syrischen Regimes getötet worden.

Bei den seit März 2011 andauernden Protesten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad sind nach UN-Angaben mindestens 5600 Menschen getötet worden. Syrische Menschenrechtsaktivisten sprechen hingegen von weit mehr als 6000 Opfern. In mehreren arabischen Hauptstädten kam es erneut zu Protesten vor den syrischen Botschaften - unter anderem auch in Kairo. Tunesien wies nach Medienberichten den syrischen Botschafter aus.

Konflikte / UN / Syrien
04.02.2012 · 18:06 Uhr
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