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HRE gilt als Sonderfall beim Banken-Stresstest

Die Zentrale der Hypo Real Estate (HRE) in Unterschleißheim bei München (Archivbild).Großansicht

München (dpa) - Die Hypo Real Estate kann ein mögliches Scheitern beim Stresstest der europäischen Banken nicht umhauen: Sie liegt ohnehin schon am Boden und hat bereits weitere Milliardenhilfen und die Auslagerung von Altlasten in eine Bad Bank beantragt.

An diesem Freitag gibt die Bankenaufsicht die Ergebnisse des Stresstests bekannt. Mehrere Zeitungen wollen schon vorab erfahren haben, dass die Hypo Real Estate durchgefallen ist. Grund sind milliardenschwere Risikopapiere in den Büchern und eine knappe Kapitalausstattung.

Da die HRE in ihrer jetzigen Form ohnehin nicht mehr lange bestehen wird, läuft sie aus Sicht von Experten bei der Herz-Lungen- Prüfung außer Konkurrenz. «Da hat eine Art Leiche den Test mitgemacht», sagte Konrad Becker, Finanzexperte bei Merck Finck dem «Handelsblatt». Dass die Hypo Real Estate durchfalle, sei nicht verwunderlich. «Die Bank hat ja auch schon vorgesorgt: Die nächste Kapitalerhöhung und die Bad Bank sind längst geplant», sagte er der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Ihren ganz eigenen Stresstest mit weitreichenden Folgen hat die HRE schon lange hinter sich: Als sich die Finanzkrise im Herbst 2008 nach der Lehman-Pleite zuspitzte, brach die HRE beinahe zusammen und musste in einem gemeinsamen Kraftakt von Banken und Bundesregierung gerettet und verstaatlicht werden. Seitdem hängt sie am Tropf staatlicher Milliardenhilfen, mit denen sie künstlich am Leben gehalten wird.

Erst im Frühjahr hatte der Bankenrettungsfonds SoFFin weitere 1,85 Milliarden Euro frisches Kapital zugesagt, damit summierte sich die Summe auf knapp acht Milliarden Euro. Um weiterzumachen, braucht die HRE aber nochmals zwei Milliarden Euro Kapital. Den Bedarf von insgesamt 10 Milliarden Euro hatte sie schon im vergangenen Jahr angemeldet.

Ein Scheitern beim Stresstest könnte den Geldfluss immerhin beschleunigen, hieß es in Branchenkreisen. Der ehemalige HRE-Chef Axel Wieandt soll sich immer wieder darüber geärgert haben, dass das benötigte Geld vom Bund mit viel bürokratischem Aufwand nur scheibchenweise ausgezahlt worden ist. Vor wenigen Monaten warf er entnervt das Handtuch und kehrte zur Deutschen Bank zurück. Seitdem muss sich die frühere Risiko-Chefin Manuela Better auf dem Chefposten um die Sanierung der HRE kümmern.

Wichtigster Baustein des Konzepts ist die Auslagerung von Altlasten in die sogenannte Bad Bank, in die nach dem Aschenputtel- Prinzip alles Schlechte aussortiert wird. Durch die Bereinigung soll sich die Bilanzsumme der HRE um mehr als die Hälfte auf bis zu 160 Milliarden Euro reduzieren. Vor dem Ausbruch der Krise bei der HRE waren es mehr als 400 Milliarden Euro. Wenn die Auslagerung gelingt, könnte sich die HRE wieder auf profitable Geschäfte konzentrieren und vielleicht eines Tages wieder auf eigenen Beinen stehen.

Banken
23.07.2010 · 10:37 Uhr
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