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Holland will gegen Spanien «explodieren»

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Johannesburg (dpa) - Hunderte von Millionen vor den Fernsehern, Staatsoberhäupter, Kronprinzen und internationale Prominenz auf der Tribüne und zwei Nationen im Bann des Fußballs: Die Welt schaut auf den WM-Showdown im Soccer-City-Stadion.

Europameister Spanien und die Startruppe aus den Niederlanden mit Bayern-Profi Arjen Robben sind wild entschlossen, in Johannesburg Geschichte zu schreiben und den ersten WM-Titel für ihr Land zu erobern. Sergio Ramos sieht das Endspiel gar als nationale Aufgabe. «46 Millionen werden das Finale spielen», sagte das Abwehr-Ass der «Furia Roja». Spaniens Taktgeber Andrés Iniesta versprach den Menschen in der Heimat: «Wir werden euch glücklich machen.»

Die größere Last liegt bei Spanien, denn Holland gilt als Außenseiter: Spielerisch wollen Iniesta, Xavi und Co. die Herkulesaufgabe lösen - mit ihrem Kurzpassspiel «tiki-taka». «Spanien ist der große Favorit. Die spanische Nationalmannschaft ist eine Kopie des FC Barcelona, die beste Werbung für den Fußball», sagte Hollands ungekrönter Johan Cruyff, einst Spieler und Trainer bei den Katalanen.

Nach den Endspielniederlagen 1974 gegen Deutschland und 1978 gegen Argentinien soll es für das «Oranje»-Team im dritten Anlauf klappen. «In den Niederlanden hätte man lieber Deutschland im Finale gesehen. Da weiß man, dass in einem Spiel alles passieren kann. Die Spanier hatten zwar Mühe, Tore zu schießen, dennoch haben sie mich sehr beeindruckt», sagte Cruyff. Die Tageszeitung «El País» befürchtet: «Holland ist ein schwierigerer Gegner als Deutschland.»

Beide Teams gehen ohne Personalprobleme in das historische Duell. «Alle Spieler sind fit - topfit. Wir haben alles Erdenkliche getan, um dieses Spiel zu gewinnen», sagte Trainer Bert van Marwijk am Samstagabend nach dem Abschlusstraining im Soccer-City-Stadion. Trotz der immensen Bedeutung der Partie verzichtete er auf besondere Maßnahmen: «Kein Holländer wurde jemals Weltmeister. Das ist Anreiz genug.»    

Die Spanier düsten am Samstag in einem Jet die nur 120 Kilometer vom Mannschaftsquartier Potchefstroom nach Johannesburg zum Abschlusstraining. Ihr Gegner war schon Dienstagnacht nach dem Halbfinal-Triumph gegen Uruguay in die Metropole geflogen. Der Fußball-Verband der Iberer ließ zum Endspiel am Sonntag (20.30 Uhr/ZDF und Sky) noch einen Flieger mit den Familien der Spieler, Kronprinz Felipe und Gattin Letizia sowie Tennisstar Rafael Nadal einschweben.

Trainer Vicente del Bosque erhielt gar königlichen Zuspruch: «Der König hat uns gratuliert dafür, wie weit wir gekommen sind und gesagt, wir sollen uns diesen Esprit für morgen bewahren. Er meinte, wir sind fähig zu gewinnen.» Wie van Marwijk gab sich auch der spanische Coach am Vorabend der Partie optimistisch: «Im Moment bin ich sehr ruhig, ich habe sehr viel Vertrauen in die Mannschaft.»

An moralischer Unterstützung fehlt es seiner Mannschaft nicht. Die von der Wirtschaftskrise schwer getroffene Nation lechzt nach einer Riesenfiesta. «Wir hoffen, Spanien eine große Freude machen zu können, denn das Land braucht es», sagte Torhüter Iker Casillas in «El Mundo». Der Kapitän darf bei einem Sieg den goldenen WM-Pokal vielleicht sogar von Nelson Mandela in Empfang nehmen. Der fast 92 Jahre alte Volksheld soll auch nach dem Wunsch des Fußball- Weltverbandes FIFA die WM mit seinem Auftritt krönen. Eine Bestätigung für sein Erscheinen gibt es aber nicht.

«Wie kann man schöner Abschied nehmen, als mit dem WM-Pokal in der Hand», meinte «Oranje»-Spielführer Giovanni van Bronckhorst. Auch der 35-Jährige von Feyenoord Rotterdam träumt vom Triumph und baut auf die Serie der «Elftal» von 25 Spielen ohne Niederlage. «Wir spielen nicht immer super, aber schießen in den richtigen Momenten die Tore», sagte er vor seinem Karriereende im Nationalteam vor der traumhaften Kulisse. Große Spieler wie Maradona haben diesen Pokal in Händen gehalten. Ich habe schon immer davon geträumt, dass auch ich einmal diesen Pokal hochhalte. Wenn wir die WM wirklich gewinnen, schwebe ich wahrscheinlich eine Woche auf einer rosa Wolke.»

Für die beiden Rivalen geht es beim ersten Aufeinandertreffen ihrer WM-Historie nicht nur um den Premierentitel: David Villa vom FC Valencia und Wesley Sneijder von Inter Mailand (beide fünf Treffer) hoffen auf den «Goldenen Schuh» als Torschützenkönig. Beide gelten neben den spanischen Regisseuren Iniesta und Xavi auch als heiße Kandidaten für den «Goldenen Ball» als bester Spieler bei diesem Turnier. «Was ich will, ist der WM-Pokal. Man darf nicht Egoist sein. Wenn wir als Mannschaft auftreten, können wir Holland schlagen», sagte jedoch Xavi vom FC Barcelona.

Kein gutes Omen für die Spanier ist der Schiedsrichter: Der englische Polizist Howard Webb bringe der Mannschaft «schlechte Erinnerungen», schrieb «El Mundo Deportivo». Mit dem Referee waren die Iberer bei ihrer 0:1-Auftaktniederlage gegen die Schweiz gar nicht zufrieden.

Der niederländische Flügelflitzer Robben will «lieber ein hässliches Spiel und gewinnen, als das wir schön spielen und am Ende verlieren. Wir haben bislang noch nicht den schönsten Fußball gezeigt. Aber wir können uns stets auf unsere gute Organisation verlassen.» Holland kann in Johannesburg unter anderem auf Glücksbringer wie Cruyff, Münchens Trainer Louis van Gaal und Kronprinz Willem-Alexander bauen.

Fußball / WM / Niederlande / Spanien
11.07.2010 · 18:21 Uhr
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