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Hohe Haftstrafen für jugendliche Mörder

Ein der jugendlichen Täter wird in Ravensburg zum Landgericht gefahren (Archivbild). In dem Mordprozess sind die Urteile gesprochen worden.Großansicht
Ravensburg (dpa) - Sie kannten kein Erbarmen: Ihre Nachbarin musste sterben, weil zwei junge Einbrecher Angst vor Entdeckung hatten. Das Landgericht Ravensburg hat die Jugendlichen, die vor rund einem Jahr im oberschwäbischen Kurort Bad Buchau die 26-Jährige getötet haben, am Freitag hart bestraft.

Der 15-jährige Haupttäter wurde zur höchstmöglichen Jugendstrafe von zehn Jahren verurteilt, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Er hat nach Überzeugung des Gerichts die Mutter eines Kleinkindes gefesselt, geknebelt und ihr den Schädel mit einem Brecheisen eingeschlagen. Sein 17-jähriger Komplize erhielt acht Jahre, weil er beim Einbruch dabei war und nichts getan hat, um die Bluttat zu verhindern. Die beiden hatten am 15. April 2009 Elektronikgeräte bei der Nachbarin stehlen wollen. Die Frau überraschte die Nachbarsjungen und erkannte sie trotz Gesichtsmaske sofort.

Clique an Tatplanung beteiligt

Die Clique der beiden hatte das Verbrechen mit ausbaldowert. Zwei Freunde sind bereits vom Biberacher Amtsgericht zu mehrmonatigen Bewährungsstrafen verurteilt worden, weil sie die geplante Tat nicht angezeigt haben. Das Verfahren gegen zwei Mädchen läuft noch.

Wäre die grausige Tat also zu verhindern gewesen, wenn auch nur einer der jungen Leute Eltern, Lehrer oder Polizei informiert hätte? Hat die Clique aus falsch verstandener Solidarität keinen Finger gerührt? Und wie ist der Aggressionsschub des 15-Jährigen zu erklären, wo es doch angeblich nur um den Diebstahl von Flachbildschirm und Computer ging? Für Herbert Heister, den Chef der Staatsanwaltschaft Ravensburg, ist die Sache klar: «Eine so menschenverachtende, brutale Tat eines so jungen Menschen ist mir noch nicht untergekommen».

Die 2. Große Jugendkammer verhandelte - wie bei Minderjährigen üblich - hinter verschlossenen Türen. Der Vorsitzende Richter Jürgen Hutterer machte überdies von seinem Recht Gebrauch, auch den Medien den Zutritt zu verwehren. Nur die Verteidiger waren bereit, zu erzählen, was sich hinter der Tür des Sitzungssaals 1 abspielte - naturgemäß im Interesse ihrer Mandanten.

Hintergründe bleiben im Dunkeln

Zu erfahren war so nur, dass sich das Duo die Schuld an dem Tod der jungen Frau gegenseitig zuschiebt. Dass der jüngere Teenager sein Geständnis widerrufen hat, nannte das Gericht jedoch eine «konstruierte Schutzbehauptung». Hat der 15-Jährige aber eventuell die Tat aus Angst vor seinem älteren Freund zunächst auf sich genommen? Wollte er den Mädchen in der Clique imponieren? Und warum eskalierte der Einbruch? Das Gericht aber sagt, es habe keine anderes Motiv finden können als die Furcht, entlarvt zu werden.

Uwe Rung, Verteidiger des 15-Jährigen, sagt: «Die Tat war leider einfach sehr banal». Nach seiner Darstellung haben die Rapper- und Gangster-Phantasien in der Clique eine verhängnisvolle Dynamik entwickelt. Als die Jungen beim Klauen erwischt werden, «eskaliert die Geschichte in Sekundenbruchteilen.» Die bereits ausgehobene Grube im Nachbargarten ist für ihn Humbug, in der die Leiche nach Ansicht des Gerichts verschwinden sollte. Das Erdloch habe schon lange vorher bestanden. Eine eiskalte Planung spricht er den Jungen eh ab.

Das ist der einzige Punkt, in dem er sich mit dem Anwalt des 17-Jährigen, Philipp Mohrschulz, einig ist. «Es gab keinen lückenlosen, durchdachten Plan», sagt er. «Konkret war nur der Einbruch, alles andere hat sich ergeben.»

Anwalt des 15-Jährigen geht in Revision

Anwalt Rung geht in Revision. Er ist überzeugt, dass die Kripo einseitig und schlampig ermittelt hat. Sein Mandant sei um des schnellen Fahndungserfolgs willen hastig zum Täter erklärt worden. Das Geständnis des 15-Jährigen bei der Polizei sei widerrechtlich zustande gekommen, weil weder Eltern noch Anwalt dabei waren. Vor allem aber versteht Rung nicht, warum die Clique nicht wegen Beihilfe belangt worden ist.

Heister hat die Vorwürfe empört zurückgewiesen. Er nannte es unerträglich, wie Rung Unwahrheiten verbreite und die Arbeit der Strafverfolger «in den Dreck» zieht. Auch das Gericht vertrat den Standpunkt, dass die Polizei korrekt ermittelt habe.

Prozesse / Kriminalität / Urteile
26.02.2010 · 16:36 Uhr
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