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Hoffnungsschimmer im Kampf gegen Ölpest

Ölpest an US-GolfküsteGroßansicht
Venice/Washington (dpa) - Besseres Wetter und ruhigere See lassen die Einsatzkräfte im Golf von Mexiko auf Fortschritte im Kampf gegen die dramatische Ölpest hoffen.

Am Dienstag sollte wieder damit begonnen werden, mit Hilfe von Spezial-Schiffen den schmierigen Teppich von der Meeresoberfläche abzuschöpfen, sagte ein Sprecher der Einsatzstabes in Robert (Louisiana). «Es sieht so aus, dass das Wetter mitspielt.» Hohe Wellen hatten das zuletzt verhindert. Hoffnung setzt der Ölkonzern BP auch auf eine riesige Metallkuppel, die über die ständig sprudelnde Ölquelle am Meeresboden gestülpt werden soll.

Die Ölpest habe allmählich Folgen wie ein schweres Tankerunglück, meinte der Meeresbiologe Christian Bussau von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. «Das wirkliche Drama spielt sich bislang noch unter der Wasseroberfläche ab», sagte er am Dienstag im ZDF-«Morgenmagazin». Bislang seien vor allem Kleinlebewesen betroffen. Was noch komme, sei noch nicht absehbar.

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger sprach sich derweil gegen neue Ölbohrungen vor der Küste seines Staats aus. Die Bilder von der Ölpest im Golf von Mexiko hätten ihn zu dieser Entscheidung bewogen, sagte Schwarzenegger. «Ich sehe im Fernsehen Bilder von ölverschmierten Vögeln, von Fischern ohne Arbeit, den riesigen Ölteppich, der unsere wertvollen Ökosysteme zerstört. Das wird hier in Kalifornien nicht passieren», sagte der Republikaner.

Zunächst gebe es noch keine Hinweise, dass Ölklumpen die Küsten Louisianas oder der benachbarten Staaten erreicht hätten, sagte Charlie Henry von der US-Wetterbehörde NOAA am Montag. In den nächsten Tagen sei zudem mit südwestlichem bis nördlichem Wind zu rechnen, der das schwerere Öl von den Küsten fernhalten könnte. Laut Einsatzstab wurden im Meer bis zum Dienstag mehr als 110 Kilometer Barrieren ausgebracht, mehr als 330 Kilometer seien noch verfügbar.

Der Ölkonzern BP will eine 65 Tonnen schwere Kuppel über das offene Bohrloch setzen. Damit soll das austretende Öl aufgefangen und kontrolliert an die Oberfläche geleitet werden. Erfahrungen damit haben die Experten aber nicht: Nach Angaben von BP-Manager Doug Suttles wurde diese Methode bisher nur in flachem Wasser angewandt. Das offene Bohrloch liegt dagegen in 1500 Metern Tiefe. Am Dienstag sollte die erste Kuppel per Schiff zum Bohrloch gebracht werden. In einer Woche könnte das System dann einsatzbereit sein, hieß es.

Zugleich werden weiterhin Chemikalien mit Hilfe von Unterwasser-Robotern direkt an der Quelle ausgebracht, um das Öl zu binden. Überflüge sollen nun klären, ob dies die erhoffte Wirkung zeigt. BP begann unterdessen auch mit Entlastungsbohrungen im Meeresgrund. Damit soll der Druck in der Quelle verringert werden, aus der unablässig Öl ins Meer strömt.

Das Leck durch diesen «Nebenzugang» abzudichten, ist aber erst in mehreren Monaten möglich. Dies sei ein «entscheidender Schritt, um den Öl-Ausfluss dauerhaft zu stoppen», teilte Konzernchef Tony Hayward mit. Die Bohrung geht demnach bis zu vier Kilometer unter den Meeresgrund und dauert «rund drei Monate».

In der Zwischenzeit tue BP alles, «um den Öl-Ausfluss am Meeresgrund zu kontrollieren, das Öl auf hoher See zu bekämpfen und die Küsten mit massivem Aufwand zusammen mit den Behörden und lokalen Gemeinden zu schützen», sagte Hayward.

Geologie-Professor Lorenz Schwark von der Universität Kiel hält den Einsatz der Metallglocke allerdings für die einzige Möglichkeit, den Ölfluss relativ rasch unter Kontrolle zu bekommen. «Kurzfristige Möglichkeiten sind extrem begrenzt», sagte Schwark am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Auch dies helfe aber nur für den Übergang: «Man muss ein zweites Loch bohren», erklärte der Professor.

Schwark schätzte die Gefahr, dass ein ähnliches Unglück das Wattenmeer verschmutzt, als eher gering ein. Das einzige deutsche Bohrloch auf der Mittelplate sei mit einer Betonwanne gesichert. Die Umweltorganisation Nabu warnte allerdings: «Ein Ölunfall in dem äußerst empfindlichen Wattenmeer könnte unter anderem den gesamten europäischen Bestand der Brandgans gefährden.»

Der Nabu forderte deshalb einen Verzicht auf weitere Ölbohrungen im Wattenmeer, wie die Betreiber sie planten. Auch der stetig wachsende Schiffsverkehr bedrohe die empfindlichen Ökosysteme an Nord- und Ostseeküste.

Für den Golf von Mexiko fürchten Fachleute schlimmere Auswirkungen als beim Unglück mit dem Tanker «Exxon Valdez» vor der Küste Alaskas im Jahr 1989. Damals strömten knapp 40 000 Tonnen Rohöl ins Meer und mindestens 250 000 Seevögel verendeten. Das Öl bedrohe brütende Küstenvögel wie Braunpelikane und Rötelreiher, sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. Nach Einschätzung der Naturschutzorganisation WWF sind auch der Blauflossentunfisch und verschiedene Meeresschildkröten mittelfristig als Art gefährdet. «Das Unglück im Golf von Mexiko wird auf jeden Fall zu den größten Ölkatastrophen auf dem Meer gehören, die es bislang auf der Welt gab», sagte Uwe Johannsen, Meeresschutzexperte beim WWF-Deutschland.

Die von BP geleaste Bohrinsel «Deepwater Horizon» war am 22. April nach einer Explosion gesunken. Seitdem strömen am Tag schätzungsweise mindestens 700 Tonnen Rohöl ins Meer. US-Präsident Barack Obama befürchtet eine Umweltkatastrophe von noch nie dagewesenem Ausmaß. Nach Schätzungen muss sich der Konzern - inklusive Schadensersatzforderungen - auf Kosten in Milliardenhöhe einstellen.

BP-Mitteilung

Umwelt / USA
04.05.2010 · 17:41 Uhr
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