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Hoffnung schwindet nach Beben auf Sumatra

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Jakarta (dpa) - Vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben auf der indonesischen Insel Sumatra ist die internationale Hilfswelle im Katastrophengebiet voll angerollt, doch bei der Suche nach Überlebenden sank die Hoffnung mit jeder Stunde.

Die Regierung gab die offizielle Zahl der Toten am Sonntag mit 603 an. Das Gesundheitsministerium rechnet mit mindestens 1200 Opfern. Unter den Trümmern werden noch bis zu 4000 Verschüttete vermutet.

«Die Zahl der Todesopfer wird in die Tausende gehen», sagte der Chef des Krisenstabs im Gesundheitsministerium, Rustam Pakaya. Nach ersten Schätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF sind von der Naturkatastrophe mindestens 560 000 Menschen direkt betroffen, darunter 180 000 Kinder und Jugendliche.

Allein bei Erdrutschen im Distrikt Padang Parianam sollen etwa 650 Dorfbewohner unter Erdmassen begraben worden sein. Fast 400 Gäste einer Hochzeitsfeier in dem Dorf Aia kamen ums Leben. Das Erdbeben der Stärke 7,6 hatte am Mittwochabend das Gebiet um die 900 000- Einwohner-Stadt Padang erschüttert. Die besonders getroffene Region Parianam liegt nördlich davon und damit näher am Epizentrum des Bebens.

Am Sonntagmorgen wurde Indonesien von einem weiteren Beben erschüttert. Betroffen war Westpapua, die östlichste Provinz des Inselstaates. Bei dem Beben der Stärke 6,1 etwa 56 Kilometer unter dem Meeresboden wurde nach ersten Angaben der seismologischen Agentur niemand verletzt. Auch habe es offensichtlich keine Schäden gegeben. Das Epizentrum des Bebens lag rund 120 Kilometer nordwestlich von Manokrawi.

Trotz der eintreffenden Hilfe aus aller Welt häuften sich im Erdbebengebiet auf Sumatra die Klagen über eine schleppende Verteilung von Hilfsgütern. Vor allem in abgelegenen Regionen warteten Überlebende noch dringend auf Nahrung und Notunterkünfte.

In Padang Pariaman errichteten Überlebende Straßensperren, um Autofahrer um Spenden anzubetteln. «Die Hilfe ist sehr spärlich», sagte etwa Toyo, einer von ihnen. «Allein, um ein Zelt zu bekommen, müssen wir einen Hilfskonvoi anhalten und ihn zwingen, die Lieferung zu uns zu bringen.»

«Viele Überlebende haben noch keine Hilfe bekommen, weil einfach noch keine für sie eingetroffen ist», sagte Ade Edwar, Leiter der Koordinierungsstelle für Katastrophenfälle in West-Sumatra. Unterstützung sei auf dem Weg, aber das brauche Zeit. «Niemand ist bislang gestorben, weil er nichts zu essen bekommen hat», meinte er.

Die Suche nach Vermissten werde bis zum Donnerstag fortgesetzt, kündigte Edwar an. Samstagnacht wurden drei Menschen aus einem zerstörten Hotel gerettet. Drei weitere Überlebende könnten Edwar zufolge dort noch zu finden sein.

Daniela Lesmeister, Mitglied eines deutschen Rettungsteams, sagte, ihre Gruppe sei von der Suche nach Vermissten nun umgestiegen auf medizinische Unterstützung. «Man kann nie sagen, dass es keine Chance gibt noch Überlebende zu finden, aber die Chancen sind begrenzt», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur dpa.

UNICEF hat die Koordination der internationalen Hilfe in den Bereichen Wasser, Hygiene, Ernährung für Kinder, Notschulen und Kinderschutz übernommen. Bisher seien Hilfsgüter für etwa 250 000 Menschen im Katastrophengebiet eingetroffen. Sie habe mit vielen Kindern gesprochen, sagte Angela Kearny, Leiterin von UNICEF- Indonesien. Sie hätten große Angst und fürchteten, nie wieder in die Schule gehen zu können. «Sie denken, dass ihr ganzes früheres Leben für immer vorbei ist.»

Erdbeben / Indonesien
04.10.2009 · 14:12 Uhr
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