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Hoffnung auf Rettung verschütteter Bergleute schwindet

Der Roboter versagt, der Bohrer stößt auf hartes Gestein. Die Rettungsaktion für die verschütteten Kumpel in Neuseeland wird von immer neuen Problemen ausgebremst.Großansicht

Wellington (dpa) - Die Hoffnung auf eine Rettung der seit Freitag in einer neuseeländischen Kohlemine verschütteten 29 Kumpel schwindet wegen technischer Schwierigkeiten immer weiter. Der zuständige Polizeichef sagte am Dienstagmittag (Ortszeit) vor der Presse, die Lage sei «düster und ernst».

«Wir setzen unsere Pläne für die Rettung fort, aber wir sind uns bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rettung abnimmt. Wir sollten in diesem Zusammenhang ehrlich sein», erklärte Polizeichef Gary Knowles. Die Sicherheitslage erlaube es nach wie vor nicht, dass ein Team von 65 Kumpeln in die Pike-River-Mine hinuntersteigt, um nach ihren Kollegen zu suchen.

Seit die Gasexplosion die abgelegene Mine nördlich von Greymouth auf der neuseeländischen Südinsel erschütterte, wurde kein Lebenszeichen von den 17 bis 62 Jahre alten Bergleuten in der Tiefe empfangen. «Das Risiko einer zweiten Explosion ist real», sagte Knowles. Die Polizei werde nicht erlauben, dass andere Bergleute mit einer Rettungsaktion ihr Leben aufs Spiel setzten.

Der Chef der Pike-River Mine, Peter Whittall, zeigte einer Gruppe zunehmend frustrierter Familienangehöriger eine 50 Sekunden dauernde Fernsehaufnahme der Explosion am Eingang des Stollens. Die Bilder, die erst später der Presse gezeigt werden sollen, ließen erkennen, dass die Explosion recht stark war und lange andauerte.

Bürgermeister Tony Kokshoorn sagte, es sei ein schwerer Schlag gewesen, dass ein Spezialroboter der Armee, der am Dienstagmorgen in den Zugangstunnel zum Stollen gefahren wurde, nach nur 500 Metern ausfiel. Er erlitt einen Wasserschaden. Wie Verteidigungsminister Wayne Mapp dem neuseeländischen Rundfunk sagte, ist das Gerät zwar auch für einen Einsatz im Regen konzipiert, in dem Stollen sei es aber in einen regelrechten «Wasserfall» geraten. «Mit dieser Menge Wasser hatten wir nicht gerechnet.»

Ein zweiter Roboter sollte noch am Dienstag mit einem Hubschrauber aus Wellington zur Unglücksmine gebracht werden. Auch Roboter aus Australien und den USA wurden angefordert.

Auch beim Versuch, von der Oberfläche aus ein Loch in den Stollen zu bohren, der in rund 160 Metern Tiefe verläuft, hatte es Probleme gegeben. Wie Minenchef Whittall mitteilte, habe man es auf den letzten 20 Metern mit besonders hartem Gestein zu tun.

Ursprünglich sollte die Bohrung bereits am Montag den Unglücksstollen erreichen. Durch das Loch mit einem Durchmesser von rund 15 Zentimetern sollen Kameras und Mikrofone herabgelassen werden, um so nach Lebenszeichen suchen zu können. Außerdem erhofft man sich neue Erkenntnisse über die Konzentration giftiger und explosiver Gase in dem Stollen.

Nach Angaben von Polizeichef Gary Knowles handelt es sich nach wie vor um eine Rettungsaktion. «Mit der Zeit bereiten wir uns aber auf alle Optionen vor», sagte er. «Wenn eine dieser Optionen bedeutet, dass die Jungs da unten nicht mehr am Leben sind, werden wir auch das einplanen.»

Notfälle / Bergbau / Neuseeland
23.11.2010 · 13:43 Uhr
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