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Hochtief-Aufsichtsratschef kritisiert Wirtschaftsminister Brüderle

Essen (dts) - Der größte deutsche Baukonzern Hochtief ist zunehmend besorgt über wiederholte öffentliche Äußerungen der Politik im Zusammenhang mit der Abwehrschlacht gegen den spanischen Konzern ACS. Die Konkurrenten aus Madrid versuchen seit drei Monaten, die Aktienmehrheit an dem Essener Unternehmen zu bekommen. Insbesondere die Stellungnahmen von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle würden im Ausland als Distanzierung wahrgenommen und machten das Geschäft der Deutschen noch schwerer, bestätigte Hochtief-Aufsichtsrat Hans-Peter Keitel entsprechende Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe). "Es ist für Geschäftspartner irritierend, wenn die ablehnende Haltung wieder und wieder und von einigen undifferenziert öffentlich dokumentiert wird", sagte Keitel, der bis 2007 Vorstandschef von Hochtief war.

Keitel ist auch Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Keitel ist nicht grundsätzlich gegen Unternehmenskäufe und -zusammenschlüsse. Auch Hochtief habe gerade in seiner Amtszeit Anteile an Firmen im In- und Ausland gekauft. "Wir haben aber immer zunächst Gespräche geführt und Kooperationsmöglichkeiten herausgearbeitet. Wir sind erst dann friedlich zusammengekommen, wenn das Ergebnis aus der Sicht aller Beteiligten positiv war", sagt er. Im Falle von ACS und Hochtief sei das anders. Die Spanier, die derzeit mit 30 Prozent an Hochtief beteiligt sind, wollten die Mehrheit, ohne Gespräche über Kooperationen zu führen. ACS-Chef Florentino Perez ist dem Vernehmen nach kein einziges Mal in Essen gewesen. Bei Hochtief befürchtet man, im Falle einer Übernahme ausgenommen zu werden. Umgekehrt klagen deutsche Branchenkenner, dass die spanische Bauwirtschaft alles andere als nachhaltig sei, wie man an dem zur Spekulationsblase gewordenen Immobilienboom sehe. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass der Wüstenstaat Katar mit knapp zehn Prozent bei Hochtief einsteigt. Das katarische Engagement, das allgemein als Stärkung von Hochtief im Abwehrkampf gewertet wird, sei rein strategisch und auch vor dem Hintergrund der soeben in die Wüste vergebenen Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zu sehen, sagte Keitel. "Katar will mit unserer Hilfe die Infrastruktur für dieses Großereignis schaffen. Sie wollen das ausdrücklich mit deutscher und nicht mit spanischer oder sonstiger Hilfe machen." Als BDI-Präsident verweist Keitel darauf, dass die deutsche Wirtschaft bei Großereignissen wie Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen besonders gut im Geschäft sei. "Wir können das, und das weiß die Welt. Damit sichern wir Wohlstand in Deutschland. Die Politik ist gut beraten, uns bei diesem Geschäft - wie zuletzt bei den Gesprächen in Brasilien - zu unterstützen, statt dem Ausland das Signal zu geben, dass dieses Engagement zur Disposition steht."
DEU / Unternehmen
11.12.2010 · 04:04 Uhr
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