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Hitzeschild-Schäden nach «Endeavour»-Start

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Washington (dpa) - Im sechsten Anlauf hat es dann doch geklappt: Mit mehr als einem Monat Verspätung wegen technischer Probleme und Wetterkapriolen ist die Raumfähre «Endeavour» in der Nacht zum Donnerstag zur Internationalen Raumstation ISS aufgebrochen.

Der Start am Abend (Ortszeit) in der beginnenden Dämmerung war besonders spektakulär: Viele Menschen verfolgten den Feuerschweif, während der Orbiter in den klaren Abendhimmel stieg. Doch erhielt die Freude über den geglückten Start einen kleinen Dämpfer: Beim Abheben lösten sich wieder einmal mehrere Stücke der Außentank-Isolierung. Mindestens eines der Teile traf nach Angaben eines NASA-Sprechers das Shuttle und verursachte drei Einschläge auf dem Hitzeschild.

Die Schäden seien jedoch nur oberflächlich, betonte Projektleiter Bill Gerstenmaier. «Wir gehen davon aus, dass sie kein Problem für uns darstellen.» Dies werde von den Astronauten nach der Ankunft bei der ISS untersucht. «Einiges davon macht uns keine Sorgen, über anderes können wir jetzt nicht spekulieren», sagte NASA-Experte Mike Moses zu den abgelösten Stücken. «Echte Sorgen haben wir nicht, wir müssen einfach warten und sehen, was passiert.»

Ein Schaden am Hitzeschild an einem der Flügel durch ein abgesprungenes Stück Isolierschaum hatte 2003 dazu geführt, dass die Raumfähre «Columbia» bei der Rückkehr zur Erde verglühte. Seitdem nehmen die Astronauten bei jeder Mission den von der Reibungshitze beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre besonders betroffenen Bauch der Raumfähre gleich zweimal sehr genau unter die Lupe.

Die «Endeavour» soll nun an diesem Freitag an der Raumstation eintreffen, bereits für den Tag darauf ist der erste der insgesamt fünf Außeneinsätze geplant. Am 28. Juli bricht die Raumfähre dann wieder zur Erde auf. Die Landung auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral ist schließlich für den 31. Juli vorgesehen.

Hauptaufgabe während der 16-tägigen Mission ist, eine gut vier Tonnen schwere Logistikplattform an der Außenwand des japanischen Raumlabors Kibo anzubringen. Darauf sollen später Instrumente für Experimente im All installiert werden. Die NASA spricht von einer «Veranda im Weltall». Dort sollen etwa eine Röntgenkamera sowie Instrumente zur Untersuchung von kosmischem Staub installiert werden.

Ursprünglich hatte die «Endeavour» schon am 13. Juni zur ISS aufbrechen sollen. In den vergangenen Tagen mussten alleine drei Anläufe wegen Gewitters abgeblasen werden. Bereits zuvor hatte ein Leck im Tank zweimal der NASA einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wäre auch der sechste Startversuch abgeblasen worden, hätte eine längere Verschiebung ins Auge gefasst werden müssen, weil demnächst auch ein russischer Raumtransporter zur ISS starten soll.

Die ständigen Startverschiebungen waren auch für den japanischen ISS-Bewohner Koichi Wakata zur Geduldsprobe geworden. Der 45-Jährige soll nun Ende Juli nach einem dreimonatigen Aufenthalt in der ISS mit der «Endeavour» zur Erde zurückkehren. Seinen Platz in der Raumstation wird Flugingenieur Tim Kopra einnehmen.

Startverschiebungen und technische Pannen gehören seit längerem beinahe schon zur Routine bei den Shuttles, die mittlerweile seit mehr als einem Vierteljahrhundert im Dienst sind. Längst gelten die wiederverwendbaren Raumfahrzeuge als Auslaufmodelle: Im nächsten Jahr sollen sie ausgemustert werden. Bis dahin muss aber der Ausbau der ISS beendet sein, da kein anderes Weltraumfahrzeug derart große Lasten transportierten kann. Nach dem «Endeavour»-Flug sind noch sieben weitere Shuttles-Missionen vorgesehen.

Über den Abschied von den Shuttles und den künftigen Weg der US-Weltraumbehörde wird der ehemalige Astronaut Charles Bolden wachen, der am Mittwoch vom US-Senat als neuer NASA-Chef bestätigt wurde. Der 62-Jährige, der von Präsident Barack Obama nominiert wurde, ist der erste Afro-Amerikaner an der Spitze der Behörde. Bolden flog in den 80er und 90er Jahren viermal mit dem Space Shuttle ins All, zweimal davon sogar als Kommandant. Zu seiner Stellvertreterin wurde Lori Garver berufen, die die NASA übergangsweise geführt hatte.

Der bisherige NASA-Chef Michael Griffin, den der ehemalige Präsident George W. Bush berufen hatte, war im Januar nach der Wahl Obamas zurückgetreten. Da ein Nachfolge-Transporter der Shuttles frühestens um 2015 einsatzfähig sein soll, wären Astronauten, die zur ISS wollen, über mehrere Jahre auf «Mitfluggelegenheiten« in den russischen Sojus-Kapseln angewiesen.

Raumfahrt / USA
16.07.2009 · 15:40 Uhr
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