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Historische Aufschrift im KZ Auschwitz gestohlen

Aufschrift im KZ AuschwitzGroßansicht
Warschau (dpa) - Einen Monat vor dem 65. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz haben Unbekannte den stählernen Schriftzug «Arbeit macht frei» vom Eingangstor gestohlen. Von den Tätern fehlte jede Spur.

Es wurde spekuliert, die Diebe hätten den Träger mit den Buchstaben möglicherweise auf Bestellung abmontiert. Der Schriftzug «Arbeit macht frei», der über den Einfahrten zahlreicher Konzentrationslager angebracht wurde, gilt als zynisches Symbol für die Gräueltaten der Nazis.

In Polen löste der Diebstahl eine Welle der Empörung aus, Auschwitz-Überlebende zeigten sich schockiert. Der Präsident der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Israel, Avner Schalev, sprach von einem Anschlag auf die Erinnerung an die Judenvernichtung. Das Internationale Auschwitz Komitee forderte, das Konstruktionsteil müsse wieder gefunden, die Sicherheitsmaßnahmen an der Gedenkstätte müssten verstärkt werden.

Die Außenminister beider Länder verurteilten die Tat. Der polnische Ressortchef Radoslaw Sikorski sagte nach einem Treffen am Freitag in Berlin: «Es ist etwas Kriminelles, was passiert ist. Wir hoffen sehr, dass die Täter unverzüglich festgenommen werden.» Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) fügte hinzu: «Das ist eine schändliche Tat, die verfolgt werden muss.»

Nach ersten Ermittlungen wurde die Tat von mindestens drei Dieben am frühen Freitagmorgen zwischen 03.00 und 05.00 verübt. Die Täter seien gut vorbereitet gewesen und hätten gewusst, wie man auf das Gelände gelangen und das Symbol abnehmen könne, sagte der Sprecher der Gedenkstätte, Jaroslaw Mensfelt. Die Täter hätten die Konstruktion mit dem Schriftzug abmontiert, ihre Beute durch eine Lücke im Zaun geschafft und dort in einen Kleintransporter geladen, sagte ein Polizeisprecher. Museumswächter hätten am Morgen den Diebstahl bemerkt. Inzwischen wurde eine Kopie angebracht.

Die Konstruktion ist nach Angaben der Gedenkstätte aus innen hohlen Stahlröhren gefertigt, so dass sie vergleichsweise leicht ist. Laut dem polnischen Fernsehsender TVP könnte es sich um einen Diebstahl auf Bestellung gehandelt haben. Der Rabbiner von Tel Aviv, Jisrael Meir Lau, mutmaßte, die Täter hätten eine für 27. Januar geplante Konferenz in Auschwitz anlässlich des Jahrestages der Befreiung mit zahlreichen Staatschefs «untergraben» wollen.

Dieser «Akt des Vandalismus» sei beispiellos, sagte der für den Schutz historischer Gedenkstätten zuständige polnische Minister Andrzej Przewoznik. Entrüstet zeigte sich Vize-Außenminister Andrzej Kremer. Für Hinweise, die zur Festnahme der Täter führen können, wurde eine Belohnung von 5000 Zloty (rund 1200 Euro) ausgesetzt.

Jad-Vaschem-Präsident Schalev erklärte, das Zeichen sei zum Symbol für den Mord an sechs Millionen Juden während des Holocausts geworden. Hinter der Tat vermutete er jene «Elemente, die uns in die dunkleren Tage zurückführen möchten». Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Silwan Schalom sprach von einem verabscheuungswürdigen Akt.

Den gestohlenen Schriftzug «Arbeit macht frei» hatten polnische Häftlinge ein halbes Jahr nach der Gründung des Lagers Auschwitz im Juni 1940 auf deutschen Befehl hin angefertigt. Auschwitz liegt zwischen den polnischen Städten Krakau und Kattowitz. In dem dortigen Lager und im zwei Jahre später gegründeten Vernichtungslager im benachbarten Birkenau ermordeten die Nationalsozialisten mehr als 1,1 Millionen Menschen. Die meisten der Opfer waren Juden aus dem von Deutschland besetzten Europa. Mehrere tausend überlebende Häftlinge waren am 27. Januar 1945 von sowjetischen Soldaten befreit worden.

Geschichte / Gedenkstätten / Kriminalität / Polen
18.12.2009 · 21:26 Uhr
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