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Hintergund: Dioxin-Fälle in den einzelnen Ländern

Die Dioxin-Funde halten jeden Fünften davon ab, Eier zu verzehren.Großansicht

Berlin (dpa) - Wegen des Skandals um Dioxinfunde in Eiern und Tierfutter sind auch am Mittwoch Höfe in mehreren Bundesländern gesperrt worden. Der bisherige Stand in den einzelnen betroffenen Ländern im Überblick:

NIEDERSACHSEN: Das Land mit vielen Agrar-Betrieben ist am meisten von dem Skandal betroffen. Etwa 1000 Betriebe, die belastetes Futter bezogen haben sollen, wurden vorsorglich gesperrt. Betroffen sind nicht nur Farmen mit Legehennen, sondern auch Schweine- und Putenzüchter. Erste Testergebnisse haben gezeigt, dass bei 15 von 18 untersuchten Eier-Produzenten die Dioxin-Menge unterhalb der erlaubten Höchstgrenze lag. In einem Betrieb sei bei Eiern der Grenzwert überschritten, bei zwei anderen Beständen seien kritische Werte ermittelt worden, teilte das Agrarministerium am Dienstag mit.

In der Betriebstätte der Biodiesel-Firma Petrotec im niedersächsischen Emden wurden bislang keine Anhaltspunkte für Dioxinquellen gefunden. Petrotec war verdächtigt worden, möglicherweise dioxinhaltige Mischfettsäure geliefert zu haben, die anschließend zu Futtermittel verarbeitet worden war. Gegen einen Betrieb im niedersächsischen Bösel wird zur Zeit ermittelt. Das Werk betreibt ein Tanklager und eine Futterfett-Rührstation für das Unternehmen Harles und Jentzsch.

SCHLESWIG-HOLSTEIN: Der Futterhersteller Harles und Jentzsch in Uetersen ist am Mittwoch durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe führt ein Ermittlungsverfahren gegen die Leitung des Unternehmens. Es soll technische Mischfettsäuren, die für die Papierherstellung bestimmt waren, für Futtermittel verwendet haben. Das Kieler Landwirtschaftsministerium hat am Mittwoch ein Schlachtverbot für Schweinemastbetriebe erlassen, da 51 Agrarbetriebe und 8 landwirtschaftliche Handelsgenossenschaften im Norden belastetes Futter bezogen haben sollen.

NORDRHEIN-WESTFALEN: Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums wurden 139 weitere landwirtschaftliche Betriebe gesperrt. Betroffen sind Milchvieh-, Rindermast- und Schweinehalter. Zuvor waren landesweit bereits 14 Geflügelhöfe und Schweinefleischerzeuger gesperrt worden. Bei zwei dieser Betriebe soll bereits feststehen, dass die Dioxinwerte deutlich über den Grenzwerten liegen. Das Ministerium hat inzwischen Kennnummern von möglicherweise belasteten Eiern veröffentlicht.

SACHSEN-ANHALT: 27 Betriebe wurden bis Mittwoch gesperrt. In 8 Fällen sei erwiesen, dass die Mastbetriebe mit Dioxin belastetes Tierfutter erhalten haben, in 19 Fällen bestehe ein entsprechender Verdacht, teilte das Agrarministerium mit.

MECKLENBURG-VORPOMMERN: Sechs Schweine-Höfe wurden nach Angaben von Agrarminister Till Backhaus gesperrt, weil sie belastete Futtermittel erhalten haben. Derzeit werde das Schweinefutter genauer untersucht.

BAYERN: Bei in Bayern sichergestellten Eiern hat sich der Verdacht auf Dioxin bestätigt. Wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen am Mittwoch berichtete, überschritt der Dioxingehalt in den Proben den zulässigen Grenzwert teilweise um das Dreifache. Ein Oberpfälzer Großhändler hatte rund 410 000 Eier von einem Betrieb in Niedersachsen erhalten. Ein großer Teil davon wurde von den Behörden sichergestellt. Der Verbleib von 22 000 Eiern war zunächst noch ungeklärt.

SACHSEN: Zwei landwirtschaftliche Betriebe haben nach bisherigen Erkenntnissen belastetes Futter bezogen. Dem Gesundheitsministerium zufolge gibt es zudem Hinweise, dass mutmaßlich dioxinbelastetes Mastgeflügel in einem sächsischen Betrieb geschlachtet wurde. Das Fleisch werde aus dem Verkehr gezogen, auch wenn es noch keine Erkenntnisse über den Grad der Belastung gebe.

BRANDENBURG: Die Brandenburger Behörden nehmen derzeit eine Schlachtfirma näher unter die Lupe. Sie hatte im vergangenen Jahr 63 100 Hähnchen erhalten, die möglicherweise belastet sind. Zudem wurde ein Schweineaufzuchtbetrieb vorsorglich gesperrt. Er soll Futter aus einem Werk bezogen haben, das unter Dioxin-Verdacht steht. Am Mittwoch kam ein neuer Fall hinzu: Ein Geflügelmastbetrieb hat mach Ministeriumsangaben dioxinbelastetes Mischfutter erhalten. 71 100 Hähnchen von dort seien Mitte Dezember geschlachtet worden.

THÜRINGEN: Neben einem Schweinezuchtbetrieb haben nach Ministeriumsangaben auch ein Hähnchenmäster dioxinbelastetes Futter erhalten. Einige der Tiere seien wohl schon geschlachtet worden, die noch lebenden Masthähnchen dürften den Betrieb nicht verlassen. Die Behörden seien am Ort, um weitere Proben zu nehmen.

HAMBURG: Ein Hamburger Futtermittelhersteller belieferte fast 140 Kunden in Norddeutschland mit Produkten, die Spuren von Dioxin enthielten. Das teilte die Gesundheitsbehörde in Hamburg mit. Das Unternehmen ist eines von vielen Firmen, die von Harles & Jentzsch aus Uetersen dioxinbelastete Vorprodukte gekauft haben.

Agrar / Gesundheit
05.01.2011 · 21:55 Uhr
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