News
 

Hintergrund: Zwangsheirat

Berlin (dpa) - Die juristische Verfolgung von Zwangsehen soll künftig einfacher werden. Doch auch wenn ein neues Gesetz kommt, muss den jungen Mädchen, die gegen ihren Willen verheiratet werden sollen, erst einmal geholfen werden - noch bevor der Staatsanwalt anrückt.

In Deutschland gibt es bereits ein Netzwerk von Hilfseinrichtungen, die Jahr für Jahr von hunderten, wenn nicht tausenden Bangenden und Verzweifelten angerufen werden. Zu den bekanntesten Adressen zählt die Frauen-Hilfsorganisation Terre des Femmes in Tübingen.

In der Millionenstadt Berlin gilt der Notdienst Papatya als eine der wichtigsten Anlaufadressen. Auf sechs Jahre Erfahrung können die Mitarbeiter mittlerweile zurückblicken. Sie hat sich zu einem rigorosen Ratschlag verdichtet: «Flüchten bevor die Heirat stattfindet», sagt Papatya-Leiterin Ingrid. Ihren wahren Namen möchte sie nicht öffentlich machen.

Im vergangenen Jahr wandten sich 475 Ratsuchende an Papatya. Von ihnen erhielten 60 Mädchen zeitweise Zuflucht in einer Wohnung der Hilfseinrichtung. «Etwa jedes vierte Mädchen geht später wieder nach Hause, manchmal hat ihnen die Fluchtaktion bei ihrem Widerstand gegen die ungewünschte Ehe geholfen, oft bleibt es aber bei der Unterdrückungssituation in der Familie», schilderte Ingrid am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. «Die übrigen Mädchen bringen wir in Heimen und im betreuten Wohnen in Westdeutschland unter.»

Mitunter geht es nur darum, den jungen Frauen Mut zuzusprechen, offen Nein zu sagen zu den Hochzeitsplänen des Vaters. Dann könne im Gespräch ausgelotet werden, ob es in der Familie Verbündete gibt, sagt Ingrid. «Vielleicht stellt sich jemand an ihre Seite.»

Migration / Integration / Kabinett
27.10.2010 · 22:31 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
29.03.2017(Heute)
28.03.2017(Gestern)
27.03.2017(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen