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Hintergrund: Zustand der sechs Fukushima-Reaktoren

Fukushima in TrümmernGroßansicht

Berlin (dpa) - Das Atomkraftwerk Fukushima Eins (jap. Fukushima Daiichi) mit seinen sechs Reaktoren ist eine der größten Atomanlagen in Japan und liegt etwa 250 km nördlich von Tokio am Meer. Betreiber ist der Energiekonzern Tepco (Tokyo Electric Power Company).

Zum Zeitpunkt des Erdbebens und der Flutwelle sind die Reaktoren 4, 5 und 6 wegen Wartungsarbeiten nicht in Betrieb. Zunächst kommt es daher trotz automatischer Abschaltung nur in den ersten drei Reaktoren zu massiven Problemen, weil die Stromversorgung für die Kühlsysteme und die Notfallgeneratoren ausfällt. Mit Batteriestrom kann nicht mehr ausreichend Kühlwasser in die Reaktoren gepumpt werden, im Inneren steigen die Temperaturen und der Druck durch die Hitze der weiterhin zerfallenden Spaltprodukte.

Fast alle der 800 Ingenieure und Arbeiter werden in den ersten Tagen in Sicherheit gebracht. 50 Techniker kämpfen zuletzt aus einem Sicherheitsraum gegen die befürchtete unkontrollierte Kernschmelze, müssen sich am Mittwoch aber auch zeitweise aus dem Kraftwerk zurückziehen.

REAKTOR 1: Am Samstag wird über Ventile Druck abgelassen. In der Umgebung gibt es erhöhte Radioaktivität. Im Reaktorblock explodiert Wasserstoff zwischen der inneren und der äußeren Hülle des Gebäudes und zerstört das Dach und die Wände. In den Reaktor werden zur weiteren Kühlung Meerwasser und Borsäure gepumpt. Die Temperatur steigt trotzdem, die Uranbrennstäbe sind nur noch teilweise von Wasser bedeckt. Am Mittwoch bricht ein Feuer aus. Der Brand schwelt stundenlang. 70 Prozent der Brennstäbe sollen beschädigt sein.

REAKTOR 2: Hier bricht das Kühlsystem am Montag zusammen. Die Kühlung mit Meerwasser gelingt nur teilweise. Das Wasser verdampft. Die Uranbrennstäbe stehen mehrere Stunden frei. Wasserstoff wird freigesetzt. Am Dienstagmorgen kommt es zu einer schweren Explosion und einem Brand. Beschädigt wird dabei die innere Hülle des Reaktors (Containment). Die Rede ist von einer «sehr schlimmen» Lage. Radioaktivität tritt aus. Am Mittwoch stehen die Brennstäbe teilweise frei im zu niedrigen Wasser.

REAKTOR 3: Am Sonntagmorgen fällt die Kühlung für den Reaktor aus. Am Montag explodiert freigewordener Wasserstoff und zerstört das äußere Gebäude. Mit Meerwasser wird der Reaktor notdürftig gekühlt. Am Mittwoch steigt die Hitze, dichter Rauch steigt auf. Die Brennelemente, die in diesem Reaktor das hochgiftige Plutonium enthalten, liegen teilweise frei. Die wichtige innere Reaktorhülle sei möglicherweise beschädigt, sagt Regierungssprecher Yukio Edano. Später heißt es, die Hülle sei weiterhin intakt.

REAKTOR 4: Obwohl der Reaktor abgeschaltet ist, produzieren alte Brennstäbe in einem sogenannten Aufbewahrungsbecken außerhalb des Sicherheitsbehälters Hitze. Auch hier versagt die Kühlung am Dienstag streckenweise, das Wasser kocht. Es gibt eine Explosion, danach brennt es in dem Bereich. Das Feuer kann gelöscht werden. In der Außenwand des Gebäudes klaffen Löcher. Radioaktivität tritt aus. Am Mittwoch fällt die Kühlung erneut aus, es brennt wieder heftig. Der Versuch, mit Hubschraubern Wasser über die überhitzen Brennelemente zu schütten, muss wegen der Strahlung abgebrochen werden. Wasserwerfer sollen die Aufgabe nun übernehmen.

REAKTOREN 5 und 6: Nach Angaben des Regierungssprechers Yukio Edano gibt es Probleme mit dem Kühlsystem in den abgeschalteten Reaktoren. In beiden lagern alte Brennstäbe, die noch reagieren. Die Betreiberfirma Tepco überlegt zwischenzeitlich, Platten aus der Hülle zu entfernen, um Wasserstoff-Staus und damit weitere Explosionen zu verhindern.

Erdbeben / Atom / Japan
17.03.2011 · 00:21 Uhr
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