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Hintergrund: Wie über Flugverbote entschieden wird

Berlin (dpa) - Der Streit um die Fortdauer der Flugverbote in Deutschland wirft die Frage auf, wer eigentlich für die jeweiligen Entscheidungen zuständig ist.

Nach langen internen Diskussionen hatte das Bundesverkehrsministerium am vergangenen Freitag entschieden: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) nennt der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen bei Offenbach die maßgeblichen Daten für die Asche- Konzentrationen. Auf der Basis entscheidet die DFS über Öffnung und Schließung von Lufträumen und Flughäfen.

Dahinter steht ein international verzahntes System, gelenkt von der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO. Daran orientiert sich auch die Deutsche Flugsicherung. Sie ist eine nachgeordnete Behörde des Ressorts von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der damit auch nach außen politische Verantwortung behält.

Grundsätzlich gilt das Prinzip: Eine Freigabe des Luftraums erfolgt erst, wenn gesicherte Informationen vorliegen, dass von der Vulkanasche keine Gefahr mehr für den Luftverkehr ausgeht.

Die ICAO hat ein weltweites Netzwerk von neun Beratungszentren, die die Bewegung der Aschewolken verfolgen. Zuständig im aktuellen Fall ist das «Vulcanic Ash Advisory Centre» in London. Es muss alle sechs Stunden seine Prognose aktualisieren und an die nationalen Wetterdienste weiterleiten. In Deutschland ist dies der Deutsche Wetterdienst, der daraus Flugwetterwarnungen aufbereitet.

Weil ein Vulkanausbruch in dieser Dimension in Europa bisher kaum vorkam, gibt es europaweit kein Messnetz zur Bestimmung der Aschekonzentration für die Luftfahrt. Die Ausbreitungsprognosen der Vulkanasche beruhen auf einem Computermodell, das zahlreiche Faktoren wie die Aktivität des Vulkans oder die Windgeschwindigkeit berücksichtigt. Die Modellberechnungen werden mit zusätzlichen Informationen aus Satellitenaufnahmen und Messflügen ergänzt.

Die Sichtflüge, die einzelne Fluggesellschaften absolviert haben, liefern ebenfalls Informationen zur Aschekonzentration in der Luft. Allerdings ist die Aussagekraft dieser Flüge nach Angaben des Verkehrsministeriums begrenzt, da die Flugzeuge nur sehr kurz in der Luft waren und nicht über entsprechende Messinstrumente verfügen. Wegen der außergewöhnlichen Lage in Europa sind bei Flugsicherung, Wetterdienst und Bundesverkehrsministerium Krisenstäbe im Einsatz. Das Ministerium koordiniert deren Arbeit.

Vulkane / Luftverkehr / Island
19.04.2010 · 23:05 Uhr
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