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Hintergrund: Wie groß ist die Terrorgefahr?

Berlin (dpa) - Dieser Montag ist im Kalender der deutschen Sicherheitsbehörden dick angestrichen. Nach Erkenntnissen von US- Ermittlern will sich am 22. November ein Terrorkommando auf den Weg nach Deutschland machen, um dort einen Anschlag zu verüben. Wie zuverlässig die Informationen sind, ist offen.

Was tut die Polizei?

Bundespolizisten mit Schutzwesten und Maschinenpistolen patrouillieren seit Tagen an Bahnhöfen und Flughäfen. Die Beamten sind für den Fall eines terroristischen Angriffs angewiesen, sofort das Feuer zu erwidern - wie bei Amokläufen. Vor dem Reichstag in Berlin sind Sperrgitter aufgebaut. An den deutschen Grenzen wird strenger kontrolliert. In Hessen und Nordrhein-Westfalen observieren Beamte der Eliteeinheit GSG 9 laut «Focus» Wohnungen, die potenziellen Terroristen als Unterschlupf dienen könnten. Zudem würden alle Visa überprüft, die in den vergangenen Monaten in Indien, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten erteilt worden sind.

Welche Orte gelten als besonders gefährdet?

Im Visier islamistischer Terroristen stehen nach Ansicht von Sicherheitsbehörden vor allem große Menschenansammlungen und Orte mit Symbolwert, die mit typisch westlichem Lebensstil in Verbindung gebracht werden. Experten fürchten, dass etwa Weihnachtsmärkte Zielscheibe sein könnten. Das Bundeskriminalamt (BKA) nennt keine konkreten Ziele. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) sagt, es gebe «konkrete Hinweise» auf Berlin, München und Hamburg; auch das Ruhrgebiet sei ein mögliches Anschlagziel.

Welche Hinweise haben die Behörden?

Vor allem US-Geheimdienste warnen seit Monaten, dass in Deutschland ein Terroranschlag bevorstehen könnte. Konkret wurden die Hinweise vor zwei Wochen, als sich die US-Bundespolizei FBI laut «Spiegel» direkt an das BKA wandte und vor einer schiitisch-indischen Gruppe warnte, die bereits ein Kommando in Marsch gesetzt haben soll. Vor einigen Tagen hat sich dann ein deutscher Islamist beim BKA gemeldet, der angeblich verschiedene potenzielle Ziele genannt hat, darunter auch den Reichstag.

Warum hat Innenminister Thomas de Maizière gerade jetzt gewarnt?

Die Aussagen des «Gotteskriegers» aus Deutschland sollen den letzten Ausschlag gegeben haben. Der Mann, der angeblich aus der Szene aussteigen will, spricht laut «Spiegel» davon, dass zwei Terroristen bereits in die Bundesrepublik eingereist sind, um hier einen Anschlag zu verüben. Die Angaben decken sich zumindest teilweise mit Hinweisen aus den USA - oder fügen sich wie ein Puzzlestück in die verschiedenen Szenarien ein. Als Zeitpunkt soll der Mann allerdings Februar oder März genannt haben.

Welche Szenarien gibt es?

Die Version des Islamisten: Laut «Spiegel» hat er dem BKA berichtet, eine mit Al-Kaida paktierende Terrorgruppe habe vor sechs bis acht Wochen zwei Terroristen nach Deutschland geschickt. Beide sollen sich im Großraum Berlin aufhalten, wo sie auch herstammen. Ihr Auftrag: Ein Bombenanschlag etwa mit einem Handy als Zeitzünder auf eine Menschenmenge in einer großen Stadt, womöglich einen Weihnachtsmarkt. Oder: Der Sturm eines Terrorkommandos auf den Reichstag in Berlin nach dem Vorbild des Attentats von Mumbai im Jahr 2008. Vier weitere Komplizen sollen noch in Ausbildungscamps von Al- Kaida oder verwandten Gruppen auf ihre Abreise warten.

Die Version des FBI: Die US-Bundespolizei warnt laut «Spiegel» vor einer schiitisch-indischen Gruppe namens «Saif» («Schwert»), die einen Pakt mit der sunnitische Al-Kaida geschlossen habe. Sie soll fünf ihrer Männer zur Ausbildung in die pakistanische Provinz Waziristan geschickt haben. Von dort seien nun zwei Freiwillige in Marsch gesetzt worden. Sie sollten am 22. November in den Vereinigten Arabischen Emiraten ankommen und mit neuen Papieren ausgestattet nach Deutschland reisen. Sie hätten bereits Visa für den Schengen-Raum.

Wie glaubwürdig sind die Quellen?

Das ist schwer abzuschätzen. Der «Gotteskrieger» will angeblich aus der Terrorszene aussteigen und nach Deutschland zu seiner Familie zurückkehren. Unter welchem Druck oder Einfluss er steht, ist unklar. Ähnlich ist es bei den Informationen der US-Ermittler. FBI und BKA halten sie laut «Spiegel» für bedeutsam, der Auslandsgeheimdienst CIA, der Bundesnachrichtendienst und der Verfassungsschutz seien dagegen skeptisch. Bislang galt eine Zusammenarbeit der sunnitischen Al-Kaida mit schiitischen Extremisten wegen der unterschiedlichen religiösen Auffassungen und Ideologien als schwer vorstellbar.

Innere Sicherheit / Terrorismus
21.11.2010 · 21:57 Uhr
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