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Hintergrund: Weichenstellungen auf Grünen-Parteitagen

Joschka FischerGroßansicht

Berlin (dpa) - Seit ihrem Karlsruher Gründungskonvent 1980 haben die Grünen ihre Weichen schon immer auf Parteitagen gestellt - nach meist turbulenten, oft langen und mitunter auch zähen Debatten:

- ATOMAUSSTIEG, 2011: Nach stundenlanger Redeschlacht stimmt ein Sonderparteitag dem Votum der Grünen-Spitze zu, die schwarz-gelben Pläne für einen Atomausstieg bis 2022 im Bundestag zu unterstützen. Weitere Gesetze zur Energiewende der christlich-liberalen Regierung lehnen Parteiführung und Delegierte indes ab.

- OLYMPIA, 2010: In Freiburg bekommt Parteichefin Claudia Roth einen Dämpfer - die Basis ist mehrheitlich gegen die von Roth unterstützte Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2018.

- AFGHANISTAN, 2007: Eklat auf dem Göttinger Sonderparteitag zum Afghanistan-Einsatz: Anders als der Vorstand wollen die Delegierten mehrheitlich, dass die oppositionellen Grünen im Bundestag zu Isaf- Mandat und Tornado-Einsatz nicht mit Ja stimmen. Grund ist die Kritik an den Kampfjets. Ein Streit der Führungsleute ging voraus.

- AMT UND MANDAT, 2002: In Bremen verbauen die Grünen den Parteichefs Fritz Kuhn und Claudia Roth nach dramatischer Redeschlacht eine erneute Kandidatur - Parteiamt und Mandat bleiben strikt getrennt. Erst die spätere Wahl von Angelika Beer und Reinhard Bütikofer stabilisiert die Regierungspartei wieder.

- BUNDESWEHREINSÄTZE, 2001: In Rostock billigt die Basis nach dem Terror vom 11. September überraschend klar Militäreinsätze im Anti-Terror-Kampf. Eine Koalitionskrise von Rot-Grün ist beendet.

- KOSOVO-KRIEG, 1999: Außenminister Joschka Fischer wird auf einem Sonderparteitag der Grünen in Bielefeld mit einem Farbbeutel beworfen und erleidet einen Riss im Trommelfell. Linke Grüne wollen ein bedingungsloses Ende der Nato-Luftangriffe im Kosovo. Sie scheitern.

- ABSPALTUNG DER FUNDIS, 1991: Tumulte, Trillerpfeifen und Tränen in Neumünster, das Ergebnis des Konvents: schlankere Parteigremien und weniger Fundamentalopposition. Fundi-Frau Jutta Ditfurth sagt: «Die Grünen sind nicht mehr unsere Partei.» Nach wenigen Wochen treten Ditfurth und andere aus.

- KOALITIONEN, 1989: In Duisburg unterstützen die Delegierten die «Jahrhundertchance» einer rot-grünen Koalition in Berlin. Verbittert werfen Ditfurth und Regina Michalik nach dem Abgang aus dem Vorstand ihre Blumen zu Boden. Vier Jahre vorher war Fischer in Hessen erster grüner Minister geworden.

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Parteien / Grüne / Atom
26.06.2011 · 11:28 Uhr
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