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Hintergrund: Wehrpflicht - Auslaufmodell in der NATO

Berlin (dpa) - In der NATO ist die Wehrpflicht ein Auslaufmodell. Nur in 5 von 28 Mitgliedstaaten werden noch junge Leute zum Dienst an der Waffe eingezogen. Neben Deutschland sind das Griechenland, die Türkei, Estland und Norwegen.

In den meisten Mitgliedstaaten ist die Wehrpflicht abgeschafft oder ausgesetzt worden. USA und Großbritannien haben den Systemwechsel zur Berufsarmee schon lange vollzogen. In Frankreich gibt es seit acht Jahren keine Wehrdienstleistenden mehr.

USA: Die Vereinigten Staaten haben seit 1973 eine Berufsarmee. Hintergrund für die Abschaffung der Wehrpflicht war die Unbeliebtheit des Vietnamkriegs. Ende 2009 gab es gut 1 400 000 aktive Soldaten und rund 850 000 Reservisten. Die hohe Opferzahl beim Irak-Einsatz hat vorübergehend dazu geführt, dass bei einzelnen Teilstreitkräften die jährlichen Rekrutierungsziele nicht erreicht wurden. Problematisch ist, dass viele junge Leute zur Truppe wollen, die wegen mangelnder Bildung oder wegen eines schwierigen sozialen Umfelds woanders nicht unterkommen. Experten meinen, dass sich dies bisweilen in einer «Verrohung» niederschlägt, wie sie sich auch im Folterskandal um Abu Ghreib im Irak widergespiegelt habe.

FRANKREICH: Ungerecht, zu teuer und nicht vereinbar mit den neuen strategischen Herausforderungen - mit dieser Begründung hat Frankreich bereits vor mehr als einem Jahrzehnt das Ende der Wehrpflicht eingeläutet. 1997 beschloss das Parlament die unbefristete Aussetzung des Militärdienstes. Seit 2002 gibt es keine Wehrdienstleistenden mehr. Der Übergang zur Berufsarmee gestaltete sich relativ problemlos. Bewerber für den Dienst mit der Waffe gab und gibt es genügend. Allerdings ist die Armee seit Mitte der 90er Jahre von 500 000 auf knapp 315 000 Soldaten und zivile Mitarbeiter verkleinert worden.

GROSSBRITANNIEN: Großbritannien hat bereits 1963 nach einem halben Jahrhundert die Wehrpflicht abgeschafft und war damit Vorreiter bei der Professionalisierung des Streitkräfte in Europa. Der heutigen Berufsarmee gehören 178 000 Soldaten an - eine Größe, auf die auch die Bundeswehr im Zuge der geplanten Reform ungefähr schrumpfen könnte. Wegen des allgemeinen Ausbildungsplatzmangels im Zuge der Finanzkrise zieht es wieder mehr junge Leute zum Militär - obwohl Großbritannien der zweitgrößte Truppensteller in Afghanistan ist und dort große Verluste zu verzeichnen hat.

Verteidigung / Bundeswehr / Reform
23.08.2010 · 21:55 Uhr
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