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Hintergrund: «Währungskrieg»

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Seoul (dpa) - Alle reden von einem Währungsstreit, manche sogar von einem «Währungskrieg»: Der Konflikt um billiges Geld beherrscht seit Wochen die internationale Politik und nun auch den G20-Gipfel im südkoreanischen Seoul. Die Sorgen vor einem weltweiten Abwertungswettlauf sind groß.

Stein des Anstoßes ist die chinesische Wechselkurspolitik: China hat seine heimische Währung Yuan faktisch an den Dollar gebunden, um seiner wichtigen Exportwirtschaft Vorteile zu verschaffen. Die USA drängen China seit Jahren zu einer schnelleren Aufwertung des Yuan und haben mittlerweile Strafzölle für chinesische Güter auf den Weg gebracht. Die amerikanische Industrie sieht sich über den günstigen Preis für chinesische Waren unfair aus dem Markt gedrängt.

In dieser nur auf den Wechselkurs zielenden Debatte wird aber unterschlagen, dass in manchen Branchen US-Produkte keine Chance am Weltmarkt haben, weil sie technisch nicht auf dem letzten Stand sind. Da kauft man lieber - auch teuer made in Germany - eine technologische Spitzenleistung. Dieses Argument der Wettbewerbsfähigkeit hält Bundeskanzlerin Merkel auch den Kritiker des hohen deutschen Handelsüberschusses entgegen.

Verschärft wird die Lage dadurch, dass die amerikanische Notenbank der US-Wirtschaft weiterhin mit einer lockeren Geldpolitik helfen will. Konsequenz: Der ohnehin schwächelnde Dollar könnte im Verhältnis zu vielen Währungen weiter nachgeben, was wiederum anderen Exportnationen wie Japan ein Dorn im Auge sein dürfte. Es ist bei Devisen wie bei anderen Waren: Je größer das Angebot, desto geringer der Preis.

Angesichts des Dollar-Verfalls und der günstigen Wirtschaftsaussichten in den Schwellenländern fließen gewaltige Geldströme in Staaten wie Brasilien, dessen Finanzminister Guido Mantega als erster den Begriff «Währungskrieg» in den Mund nahm. Brasilien stemmt sich nun gegen die anhaltende Aufwertung des Real. Seit Ende 2008 hat der zur US-Währung rund 50 Prozent an Wert gewonnen.

Die Folgen eines anhaltenden Währungskonflikts könnten schwerwiegend sein, weil ein Abwertungswettlauf zumeist mit Schutzzöllen und Beschränkungen des Kapitalverkehrs einhergeht, was letztlich allen Beteiligten schadet. Und einer neuer Ära des Protektionismus ist niemandem gedient. Geld verdienen und Wohlstand schaffen - das gelingt Volkswirtschaften vor allem durch den Handel mit Waren und Dienstleistungen.

G20 / Gipfel
11.11.2010 · 22:32 Uhr
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