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Hintergrund: Vorwürfe gegen bisherige Bundespräsidenten

Berlin (dpa) - Nicht alle Bundespräsidenten sind ohne Makel in ihr Amt gekommen oder aus ihm geschieden. Vor Christian Wulff ist bereits Horst Köhler als Staatsoberhaupt zurückgetreten - wegen einer umstrittenen politischen Äußerung. Eine Rückschau:

CHRISTIAN WULFF (2010-2012): Der frühere niedersächsische Ministerpräsident war der jüngste Bundespräsident in der deutschen Geschichte, aber auch der mit der kürzesten Amtszeit. Ihn hat seine Nähe zu großzügigen Unternehmerfreunden zu Fall gebracht. Ausgangspunkt der Affäre war der private Kredit für ein Haus der Familie Wulff nahe Hannover, Auslöser für den Rücktritt die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Hannover, die Aufhebung seiner Immunität zu beantragen, um ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.

HORST KÖHLER (2004-2010): Der ehemalige Direktor des Internationalen Währungsfonds galt als unbequem für die Regierungsparteien, weil er Gesetzen die Unterschrift verweigerte und sich in die aktuelle Politik einmischte. Sein überraschender Rücktritt erfolgte wegen einer missverständlichen und stark kritisierten Äußerung zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. In einem Interview von Deutschlandradio Kultur hatte Köhler den Kriegseinsatz in einen Zusammenhang mit Deutschlands Wirtschaftsinteressen gestellt.

JOHANNES RAU (1999-2004): Dem langjährigen SPD-Ministerpräsidenten aus Nordrhein-Westfalen wurde als Staatsoberhaupt in den Jahren 1999 und 2000 vorgeworfen, in eine Flugaffäre verwickelt zu sein. Dabei ging es um Reisen auf Kosten der Westdeutschen Landesbank (WestLB), die Rau als Ministerpräsident unternommen haben soll. Die Landesbank hatte 1996 außerdem seine Geburtstagsfeier mit 150 000 Mark unterstützt. Rau versicherte, nicht privat mit Chartermaschinen der WestLB geflogen zu sein. Er musste seine Angaben - etwa zur Zahl der Flüge - allerdings mehrfach korrigieren. Rau starb 2006.

KARL CARSTENS (1979-1984): Der vormalige Unionsfraktionschef Karl Carstens war wegen seiner Vergangenheit Gegenstand scharfer Auseinandersetzungen. Seine Mitgliedschaft in der SA ab 1934 und später in der NSDAP wurde Anlass öffentlicher Proteste und heftiger Debatten. Als Präsident blieb er eher wegen seiner Leidenschaft fürs Wandern in Erinnerung. Carstens starb 1992.

HEINRICH LÜBKE (1959-1969): Als CDU-Landwirtschaftsminister kam Lübke eher als Verlegenheitskandidat ins Amt. Schnell wurde er für seine ungelenke Redeweise belächelt. Die Satirezeitschrift «Pardon» brachte eine Schallplatte heraus, auf denen Lübkes rhetorische Aussetzer zusammengeschnitten waren. Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit litt er an einer Erkrankung des Sprachzentrums. Lübke starb 1972.

THEODOR HEUSS (1949-1959): Das erste Staatsoberhaupt der Bundesrepublik gehört zu den prägenden Präsidenten. Bei seiner Wahl hatte Heuss sich jedoch scharfer Kritik von links zu stellen. Denn er hatte als Abgeordneter der liberalen Deutschen Staatspartei im März 1933 dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt, mit dem die Nationalsozialisten die demokratischen Strukturen abschafften. Allerdings tat er dies aus Fraktionszwang und gegen seinen Willen, der in Erklärungen jener Zeit dokumentiert ist. Heuss starb 1963.

Bundespräsident
17.02.2012 · 16:34 Uhr
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