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Hintergrund: Viele NS-Täter erst spät vor Gericht

Berlin (dpa) - Mehrere NS-Verbrecher mussten sich wie John Demjanjuk erst Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg vor Gericht verantworten. Einige haben eine lange juristische Geschichte hinter sich, waren teils zuvor in den Ländern verurteilt worden, in denen sie ihre Taten begingen.

November 2010: Der wegen Beihilfe zum Massenmord angeklagte mutmaßliche NS-Verbrecher SAMUEL KUNZ stirbt kurz vor Beginn seines Prozesses. Er stand an dritter Stelle der meistgesuchten NS-Täter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem. Kunz soll von Januar 1942 bis Juli 1943 Wachmann im Vernichtungslager Belzec im besetzten Polen gewesen sein. Wegen Mordes in zehn Fällen und Beihilfe zum Mord in mindestens 430 000 Fällen - meist Juden - sollte dem 89-Jährigen vor dem Landgericht Bonn der Prozess gemacht werden.

März 2010: Der Nazi-Verbrecher HEINRICH BOERE wird wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Der zur Zeit des Urteils 88-Jährige hatte vor dem Aachener Landgericht gestanden, 1944 als Mitglied des SS-Mordkommandos «Feldmeijer» drei niederländische Zivilisten erschossen zu haben. Eine Revision Boeres verwarf der Bundesgerichtshof in Karlsruhe im Dezember 2010 als unbegründet. Boere war in den Niederlanden in Abwesenheit bereits 1949 verurteilt worden, die lebenslange Freiheitsstrafe wurde aber nie vollstreckt.

August 2009: Die Münchner Schwurgerichtskammer verurteilt den damals fast 91-jährigen JOSEF SCHEUNGRABER wegen zehnfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe. Der damalige Wehrmachtsoffizier hatte 1944 den Befehl zur Sprengung eines Hauses in der Toskana gegeben, in dem zuvor elf Menschen zusammengetrieben worden waren. Er war deswegen bereits 2006 von einem italienischen Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Scheungraber musste erst hinter Gitter, nachdem der Bundesgerichtshof im November 2010 seine Revision abwies.

November 2006: Ein Militärgericht in Italien verurteilt den Ex- Wehrmachtsoffizier HEINRICH NORDHORN in Abwesenheit zu lebenslanger Haft. Der während des Prozesses 87-jährige Mann war dem Gericht zufolge 1944 an der Tötung von Zivilisten beteiligt.

Dezember 2005: Nach mehr als einjähriger Verhandlung endet der Prozess gegen den 88-jährigen LADISLAV NIZNANSKY in München mit einem Freispruch. Gegen ihn wurde wegen Mordes in 20 Fällen verhandelt. Es ging um Massaker in der Slowakei im Januar und Februar 1945.

Juli 2002: Das Hamburger Landgericht verurteilt den 93-jährigen Ex-Chef des SS-Sicherheitsdienstes in Genua, FRIEDRICH ENGEL, zu sieben Jahren Haft. Der «Henker von Genua» war laut Gericht für die Erschießung von 59 italienischen Geiseln verantwortlich. Auslöser des deutschen Verfahrens war ein Prozess in Italien, bei dem Engel 1999 von einem italienischen Militärgericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Der Bundesgerichtshof hob dennoch das Urteil 2004 wegen ungenauer Beweislage auf. Engel starb 2006 als freier Mann.

Mai 2001: Das Landgericht München I verhängt gegen den NS- Verbrecher ANTON MALLOTH eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes. Er war von 1940 bis 1945 Aufseher in einem Gestapo-Gefängnis im heutigen Tschechien. Im Oktober 2002 starb Malloth mit 90 Jahren in Straubing.

Prozesse / Kriminalität / Nationalsozialismus / Urteile
13.05.2011 · 06:20 Uhr
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