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Hintergrund: Sicherheitslage nach Bin Ladens Tod

Berlin (dpa) - Die USA sind nach der Tötung Osama bin Ladens nervös und stellen sich auf Racheakte ein. In den meisten anderen potenziell betroffenen Ländern wird zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen, ohne dass die Terrorangst geschürt werden soll. Ein Überblick über die Sicherheitslage:

USA: Die Vereinigten Staaten befürchten Vergeltungsaktionen und antiamerikanische Ausschreitungen. Die Regierung rief daher ihre Bürger in aller Welt zu größter Wachsamkeit auf. Die diplomatischen Vertretungen der USA wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Es könne sein, dass Botschaften und Konsulate aus Sicherheitsgründen zeitweise geschlossen werden müssten, erklärte das Außenministerium in Washington.

Die Regierung appellierte «dringend» an die US-Bürger in besonders brisanten Regionen, «angesichts der Unsicherheit und Unberechenbarkeit der gegenwärtigen Lage» Massenversammlungen oder Demonstrationen zu meiden. Am besten sollten sie in ihren Hotels und Häusern bleiben, die Nachrichten verfolgen und Kontakt zu US-Botschaften oder -Konsulaten halten. Die Warnung soll zunächst bis zum 1. August gelten. Vor der US-Botschaft in Berlin waren am Montag zunächst keine verschärften Sicherheitsvorkehrung erkennbar.

DEUTSCHLAND: Das Auswärtige Amt rief die Deutschen zu erhöhter Vorsicht bei Auslandsreisen auf. Entsprechende Reisehinweise sollten entsprechend aktualisiert werden. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte, er habe zwar bisher keine Hinweise, dass die Terrorgefahr in Deutschland gestiegen sei. Er könne aber keine Entwarnung geben.

GROSSBRITANNIEN: Der britische Außenminister William Hague ordnete eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen in britischen Botschaften in aller Welt an. Großbritannien müsse «noch wachsamer» sein als bisher. «Dies ist ein sehr ernster Schlag für Al-Kaida. Aber wie jede Organisation, die einen schweren Schlag erlitten hat, werden sie zeigen wollen, dass sie noch immer in der Lage sind zu operieren», sagte Hague der BBC während eines Besuchs in Kairo.

FRANKREICH: Im Nachbarland galt am Montag zunächst unverändert die zweithöchste Terror-Alarmstufe. Sie sieht vor, die «notwendigen Maßnahmen» zu ergreifen, um dem konkreten Risiko eines oder mehrerer schwerer Anschläge vorzubeugen. Die Alarmstufe Rot auf dem vierstufigen französischen Anti-Terror-Plan gilt bereits seit den Anschlägen in London im Juli 2005 - höher ist nur die Stufe Scharlachrot. Zuletzt waren für Überwachungsmaßnahmen in Frankreich rund 3400 Polizisten, Gendarmen und Soldaten abgestellt.

ITALIEN: Außenminister Franco Frattini kündigte eine «sehr hohe Wachsamkeit» an. Auch Italiens Geheimdienste seien gegenwärtig dabei, Verbindungen Al-Kaidas zu Zellen in Europa zu überprüfen. Es gehe darum, wie sich die Nachricht vom Tod Bin Ladens auswirken könnte. Dabei könne man aber nicht von einem Terror-Alarm sprechen. Rom kündigte zunächst keine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen an. Innenminister Robert Maroni lässt prüfen, in welchem Umfang stärkere Kontrollen angeordnet werden.

SPANIEN: In dem Land, das 2004 von schweren Terroranschlägen erschüttert wurde, wird die Terrorwarnstufe nicht erhöht, wie das Innenministerium am Montag in Madrid mitteilte. In Spanien sei sie ohnehin stets hoch, hieß es. In Madrid waren am 11. März 2004 bei Bombenanschlägen auf vier Pendlerzüge 191 Menschen getötet worden.

RUSSLAND: Moskau betont den Willen zur internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror. Der internationale Terrorismus und insbesondere Al-Kaida hätten in den vergangenen Jahren immer wieder Leid auch über Russland gebracht. «Nur der gemeinsame Kampf gegen den internationalen Terrorismus kann Erfolg bringen. Russland ist zu einer solchen Zusammenarbeit bereit», hieß es in einer Erklärung auf der Internetseite des Kreml.

ÄGYPTEN: Die Polizei hat ihre Patrouillen in den Touristenzentren des Landes verstärkt. Die Einsatzkräfte in Luxor und Umgebung wurden in Alarmbereitschaft versetzt, auch die Tempel und Ausgrabungsstätten werden stärker als sonst bewacht. Konkrete Hinweise auf mögliche Racheakte islamistischer Terroristen gegen Ausländer lagen der Polizei aber nicht vor. Terroristen hatten 1997 in einem Tempel bei Luxor 62 Menschen getötet, darunter 58 Touristen. Die Sicherheitsmaßnahmen nach diesem Blutbad sind zum Teil heute noch in Kraft.

Terrorismus / Sicherheit / USA
02.05.2011 · 15:50 Uhr
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