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Hintergrund: Schiiten und Sunniten als Rivalen

Hamburg (dpa) - Etwa 95 Prozent der rund 28 Millionen Iraker sind Muslime. Sie gehören verschiedenen Glaubensrichtungen an. Die offene Feindschaft zwischen Schiiten und Sunniten verhinderte bisher eine dauerhafte Stabilisierung des Landes.

Mit etwa zwei Dritteln der Bevölkerung sind die Schiiten die größte Gemeinschaft. Sie leben vorwiegend im mittleren und südlichen Teil des Landes. Ihre heiligen Stätten liegen in den Städten Nadschaf und Kerbela. Etwa ein Drittel der Iraker bekennt sich zum sunnitischen Islam. Die Sunniten leben vor allem in Bagdad und in den Provinzen, die westlich und nördlich der Hauptstadt liegen.

Aus den bisherigen Wahlen im Irak sind die religiösen Schiiten- Parteien als politisch dominierende Kraft hervorgegangen. Im Parlament haben ihre Parteien zusammen mit den Kurden eine deutliche Mehrheit. Die wichtigsten Parteien der Kurden sind nicht konfessionell geprägt, sondern stellen die ethnische Identität des kurdischen Volkes in den Vordergrund. Unter der Herrschaft des sunnitischen Präsidenten Saddam Hussein saßen vorwiegend Sunniten an den Schalthebeln der Macht. Nur wenige Schiiten schafften den Aufstieg in den Mittelstand und die oberen Ränge der Gesellschaft. Eine schiitische Revolte im Süden des Landes schlug der Diktator 1991 blutig nieder.

Die Spaltung der Muslime in Schiiten und Sunniten begann im siebten Jahrhundert mit einer Auseinandersetzung um die Nachfolge des Propheten Mohammed.

In den vergangenen Jahren wurden im Irak immer wieder blutige Anschläge auf schiitische Moscheen und Pilger verübt. Bereits kurz nach der US-Invasion 2003 hatte eine Bombe in Nadschaf den angesehenen schiitischen Ajatollah Mohammed Bakr al-Hakim und mehr als 80 Gläubige getötet. Bis heute ist allerdings nicht klar, ob die Attentäter sunnitische Extremisten oder rivalisierende Schiiten waren. Auch Prediger der Sunniten wurden Opfer von Attentaten.

Ein Bombenanschlag, der im Februar 2006 ein Heiligtum der Schiiten in der nördlichen Stadt Samarra teilweise zerstörte, löste eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt zwischen Sunniten und Schiiten aus. Zeitweise herrschten Zustände wie in einem Bürgerkrieg. Die Situation beruhigte sich erst, als in den Städten mehr oder weniger getrennte Wohnviertel für die Angehörigen der verschiedenen Glaubensgemeinschaften entstanden.

Konflikte / Wahlen / Irak
07.03.2010 · 21:48 Uhr
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