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Hintergrund: Positionen in der Integrationsdebatte

Thilo SarrazinGroßansicht

Berlin (dpa) - Über Zuwanderer und deren Eingliederung in die deutsche Gesellschaft wird seit Monaten heftig diskutiert. Einige Positionen: 

THILO SARRAZIN: Der frühere Berliner Finanzsenator sieht Deutschland in Gefahr, weil er vielen Zuwanderern nicht nur mangelhafte Bildung, sondern auch geringere Intelligenz unterstellt. «Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer», sagte der Sozialdemokrat im Juni und forderte eine strengere Auswahl bei der Zuwanderung von Muslimen. «Die unqualifizierte Migration, die wir gegenwärtig haben, und die Migration des ungebildeten, unqualifizierten Familiennachzugs, das kann in dieser Form nicht weitergehen.» Die SPD hat gegen Sarrazin ein Ausschlussverfahren eingeleitet, aus dem Vorstand der Bundesbank ist er selbst ausgeschieden.

HORST SEEHOFER: Bayerns Ministerpräsident verlangt von den hier lebenden Ausländern ein Bekenntnis zur deutschen Leitkultur. «Multikulti ist tot», sagte der CSU-Chef vergangene Woche. Seiner Meinung nach integrieren sich Zuwanderer aus der Türkei und arabischen Ländern besonders schwer. Daraus schließt er, «dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen». Die CSU beharrt darauf, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei. Seehofer lehnt es deshalb strikt ab, die Hürden für den Zuzug qualifizierter Ausländer zu senken. Der erwartete Fachkräftemangel dürfe «kein Freibrief für ungesteuerte Zuwanderung» sein.

CHRISTIAN WULFF: Der Bundespräsident hat in seiner vielbeachteten Rede am Tag der Deutschen Einheit zur Offenheit gegenüber Zuwanderern aufgerufen und den Islam als Teil Deutschlands bezeichnet. Wulff betonte, Zugehörigkeit dürfe nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt werden. Deshalb gehörten das Christentum und das Judentum zu Deutschland. «Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.» Pauschalurteile lehnt er ab: «Zu behaupten, eine ganze Gruppe könne und wolle sich nicht integrieren, halte ich für falsch.»

ANGELA MERKEL: Die Kanzlerin will Zuwanderer bei der Integration stärker in die Pflicht nehmen. Sie müssten nicht nur die deutschen Gesetze achten, sondern auch die deutsche Sprache beherrschen, verlangt die CDU-Vorsitzende. Ebenso wie Seehofer hält Merkel Multikulti für gescheitert, «absolut gescheitert». Zugleich teilt sie aber auch Wulffs Einschätzung, dass der Islam Teil Deutschlands ist. Diese Ansicht ist vor allem in der Union umstritten.

CEM ÖZDEMIR: Der Grünen-Chef ist davon überzeugt, dass zu einer gelungenen Integration beide Seiten ihren Beitrag leisten müssten. Er verlangt, die Mehrheitsgesellschaft müsse sich daran gewöhnen, «dass Zuwanderer Teil unseres Landes sind». Diese seien «genauso aufgefordert wie alle anderen, die Ärmel hochzukrempeln und sich einzubringen in unser gemeinsames Land». Özdemir fordert von Migranten, dass sie die Prinzipien des Grundgesetzes anerkennen. «Man kann in dieser Gesellschaft nur erfolgreich mitmachen, wenn man auf dem Boden der Verfassung steht.»

RAINER BRÜDERLE: Mit Blick auf den Fachkräftemangel fordert der Wirtschaftsminister, die Ausbildung und die Integration jugendlicher Migranten in Deutschland zu verbessern. «Daneben brauchen wir eine kontrollierte Zuwanderung nicht in die sozialen Sicherungssysteme, sondern von qualifizierten Fachkräften nach unserem Bedarf», sagt der FDP-Politiker. Brüderle fordert eine Reduzierung der Einkommensgrenze, um mehr hoch qualifizierte Ausländer mit einem dauerhaftem Bleiberecht ins Land holen zu können.

Migration / Integration / Bundespräsident
19.10.2010 · 21:48 Uhr
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