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Hintergrund: Noch ist Kims Bombe nicht ausgereift

Atomanlage in YongbyonGroßansicht
Wien (dpa) - Der neue Atomtest Nordkoreas hat international Befürchtungen ausgelöst, das kommunistische Land könnte schon bald über ein gefährliches atomares Droh- und Angriffspotenzial verfügen.

Erst kürzlich hat der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohammed el Baradei, Nordkorea offiziell in die Reihe der Atommächte eingeordnet. Experten allerdings glauben, dass Pjöngjang noch bis zu acht Jahre benötigt, um einen Sprengkopf für eine seiner selbst entwickelten Raketen zu bauen.

«Gegenwärtig dürften die Testsprengkörper Nordkoreas noch etwa so groß sein wie die Hiroshima-Bombe», glaubt ein Experte aus dem Umkreis der in Wien ansässigen UN-Atombehörde IAEA. Zwar hat das Land in den vergangenen Jahren Plutonium zum Bau von rund acht einfachen Atomwaffen produziert. Diese aber könnten zurzeit wegen ihrer Größe nur mit Kampfflugzeugen transportiert werden, die den Luftwaffen der Nachbarländer kaum entkommen könnten, heißt es. Immerhin stellen sie damit in der Zukunft eine große potenzielle Gefahr etwa für die südkoreanische Hauptstadt Seoul dar. In diesem Großraum leben 20 Millionen Menschen.

Der erste Sprengkörper, den Nordkorea 2006 zündete, hatte nach übereinstimmender Einschätzung aller Experten eine Sprengkraft von lediglich einer Kilotonne des herkömmlichen Sprengstoffs TNT. Die am Montag gezündete Bombe lag nach dieser Einschätzung zwischen zehn und zwanzig Kilotonnen und damit im Bereich der US-Atombombe, die mit einer Wirkung von 15 Kilotonnen TNT über Hiroshima gezündet wurde. Dagegen hatte die im November 1952 gezündete erste US- Wasserstoffbombe eine Explosionskraft von zehn Megatonnen - etwa 700 mal so viel wie die Atombombe von Hiroshima. Die Sowjetunion zündete 1961 eine 58-Megatonnen-Wasserstoffbombe, das entspricht etwa 58 Millionen Tonnen TNT.

Militärexperten glauben deshalb, dass die konventionelle Bewaffnung Pjöngjangs - noch - eine größere Gefahr für seine Nachbarn darstellt. So könnte Nordkorea mit seinen zahlreichen Mittelstreckenraketen und konventionellen Sprengköpfen ganz Südkorea und den größten Teil Japans treffen. Auch sogenannte schmutzige Atomwaffen oder biologische Waffen seien denkbar, würden Pjöngjang allerdings einem unkalkulierbaren Vergeltungsrisiko aussetzen, heißt es.

Im Mittelpunkt des nordkoreanischen Atomprogramms steht der Reaktor Yongbyon nördlich von Pjöngjang. Dort gewinnt Nordkorea aus Atommüll das für die Bombenproduktion nötige Plutonium.

Konflikte / Atom / Nordkorea
26.05.2009 · 16:40 Uhr
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