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Hintergrund: Mögliche Schritte gegen die Pleite

Frankfurt/Main (dpa) - Dem hoch verschuldeten Griechenland droht der Bankrott. Zur Rettung des Landes fordern immer mehr Politiker, dass auch die Gläubiger an den Kosten der Rettung beteiligt werden. Denn die Banken hätten über Spekulationen mit Griechenland Gewinne gemacht.

Für die SPD ist keine Lösung ohne eine Beteiligung der Banken vorstellbar. Die Union will dies «in die Überlegungen mit einbeziehen». Doch noch betonen etwa EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, eine Umschuldung sei derzeit kein Thema.

Griechenland läuft Gefahr, seine Schulden bald nicht mehr bedienen zu können. Wie kann das vermieden werden?

Die einfachste Variante wäre ein umfassendes Sparprogramm. Allerdings glaubt an den Märkten kaum noch jemand, dass das Land so aus der Schuldenfalle gerettet werden kann. Deshalb steigen die Zinsen für griechische Staatsanleihen auf einen hohen Preis und die Refinanzierung am Markt wird teuer - ein Teufelskreis.

Können Kredite der Euro-Länder und des IWF helfen?

Ja, aber das wird womöglich nicht ausreichen. Allein bis Ende 2015 muss das Land nach Angaben der griechischen Schuldenagentur gut 140 Milliarden Euro für fällige Staatsanleihen auftreiben. «Das ist ein Fass ohne Boden», sagt die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen- Thüringen (Helaba), Gertrud Traud. Wenn Sparmaßnahmen und Überbrückungskredit nicht reichen, müsse umgeschuldet werden. Eine perfekte Lösung gebe es nicht: «Es geht nur um die Frage, wer in welchem Umfang die Kosten für die Misere trägt.»

Welche Schuld tragen die Banken?

In der Summe haben die Banken an der Krise in Griechenland nicht verdient, sondern parallel mit dem Sinken der Anleihenkurse massiv verloren. Nur vereinzelt dürften einige Geldhäuser und Hedgefonds von Wetten auf die sinkende Bonität Griechenlands profitiert haben. Vor der Krise hatte Griechenland allerdings bereits leicht höhere Zinsen als etwa Deutschland gezahlt.

Was spricht für eine Umschuldung?

Bei einer Umschuldung müssten die Gläubiger auf Teile ihrer Forderungen verzichten: Die Schulden würden später abbezahlt und dies zu niedrigeren Zinsen. Griechenlands Schuldenlast würde sinken, wodurch die Refinanzierung wieder günstiger werden könnte.

Welche Gefahren birgt dies für Griechenland?

Die Umschuldung könnte das letzte Vertrauen der Märkte noch mehr erschüttern. In diesem Fall bekäme Athen - so wie einst Argentinien - gar keine Kredite mehr.

Und für Deutschland?

Die Umschuldung würde auch deutsche Banken treffen, die mehr als 30 Milliarden Euro an Griechenland ausgeliehen haben. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnt: «Wenn davon große Teile abgeschrieben werden müssten, würden Banken bei der Kreditvergabe noch restriktiver. Und das wäre wiederum Gift für den beginnenden Aufschwung und die deutsche Wirtschaft.»

Andere Beobachter weisen daraufhin, dass zu den Gläubigerbanken in Deutschland vor allem auch der verstaatlichte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) und die teilverstaatlichte Commerzbank gehören. Wenn diese große Summen abschreiben müssten, würde sich ihre prekäre Lage weiter verschärfen - der Staat und damit der Steuerzahler müssten möglicherweise die Institute stützen.

Ist mit Auswirkungen auf den Euro zu rechnen?

Eine Umschuldung ist auch für das gesamte Euro-System gefährlich, betont Traud: «Wenn Griechenland umschuldet, droht ein Domino- Effekt.» Denn dann würden viele Anleger ihre Bonds verkaufen, weil sie fürchten, dass auch Länder wie Portugal diesen Weg gehen. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen dieser Länder würden steigen, der Wert des Euro massiv sinken.

Wäre ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro denkbar?

Als letzten Ausweg halten einige Ökonomen diesen Schritt für möglich - selbst wenn die europäischen Verträge dies eigentlich nicht vorsehen. Sollte Athen sich dazu entschließen, dann aus der Hoffnung, über Abwertungen der eigenen Währung seine Schulden loszuwerden. Ob das Land dann aber bei einer enormen Inflation überhaupt Kredite am Markt bekommen würde, ist fraglich.

Finanzen / EU / Griechenland / Deutschland
28.04.2010 · 22:39 Uhr
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