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Hintergrund: Mit «Phönix» aus dem Dunkel

Bergwerk San José/ Berlin (dpa) - Ingenieure der chilenischen Marine haben insgesamt drei Rettungskapseln gebaut. Sie bekamen alle den Namen «Phönix» und eine Ziffer von eins bis drei. Sie sind unterschiedlich lang: die ersten beiden rund vier Meter, die dritte nur zweieinhalb Meter.

Die Kapseln sind mit Mikrofon, Lautsprecher und Flaschen zur Versorgung mit Atemluft ausgestattet, die rund 90 Minuten vorhalten.

Die Fahrt aus einer Tiefe von 624 Metern nach oben soll jeweils 15 Minuten dauern. Bis die Kapsel dann wieder für den nächsten Bergmann hinabgelassen werden kann, vergehen weitere 20 Minuten. Für das Einsteigen sind noch einmal 20 Minuten veranschlagt. Insgesamt sind deshalb pro Gerettetem etwa 55 Minuten eingeplant.

Vorgesehen war zunächst, auch die beiden relativ großen «Phönix»- Versionen mit Notausstieg zu verwenden. Ein Kumpel hätte sich daraus abseilen können, falls die Kapsel auf ihrem Weg nach oben steckenbleibt. Allerdings galt dies von Anfang an als riskante und umstrittene Notlösung.

Da der von dem Schramm-Bohrer gefräste Rettungsschacht nicht immer ganz senkrecht und gerade nach unten verläuft, soll nun nur die kürzeste dritte Version der Kapsel zum Einsatz kommen. Die längeren Kapseln könnten in den kleinen Kurven steckenbleiben. Die Kapseln haben einen Durchmesser von 53 Zentimetern - das Bohrloch ist 66 Zentimeter breit, die auf den ersten 90 Metern von oben abgelassenen Rohre messen 61 Zentimeter im Durchmesser.

«Phönix» ist eine Weiterentwicklung der sogenannten Dahlbusch- Bombe, einer lebensrettenden Metallröhre, mit der verschüttete Bergmänner wieder an die Oberfläche geholt wurden. Ingenieure der Zeche Dahlbusch in Gelsenkirchen hatten das Gerät 1955 entwickelt. Weitere Rettungsaktionen mit der Stahlkapsel folgten 1956 und 1957. Die spektakuläre Rettung von Kumpeln im niedersächsischen Lengede 1963 machte die Dahlbusch-Bombe weltweit bekannt - ähnlich wie das Unglück in Chile nun «Phönix».

In der Mythologie ist der «Phönix» (der Wiedergeborene, der neugeborene Sohn) ein Vogel, der verbrennt und aus seiner Asche wieder neu ersteht. «Wie ein Phönix aus der Asche» wird als Redewendung verwendet, wenn verloren Geglaubtes neu erscheint.

Notfälle / Chile
13.10.2010 · 06:43 Uhr
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