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Hintergrund: Missbrauchskandal in der Kirche

Vier Tage war der Papst in Deutschland. Mit Hunderttausenden hat er Gottesdienste gefeiert, aber seine Predigten und Ansprachen hinterlassen viele Fragen. Will Benedikt eine andere Kirche?Großansicht

Berlin (dpa) - Der Skandal um den sexuellen Missbrauch vieler Kinder und Jugendlicher in katholischen Einrichtungen erschütterte im vergangenen Jahr die Kirche. Die Misshandlungen lagen teils mehr als 60 Jahre zurück, wurden aber erst jetzt aufgedeckt.

Viele Fälle waren strafrechtlich verjährt. In der Folge stieg die Zahl der Katholiken, die die Kirche verließen, 2010 in Deutschland auf 181 000. Das waren erstmals seit Jahrzehnten mehr Austritte als Taufen.

Erste Verdachtsfälle kamen im Januar 2010 am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten ans Licht. In den folgenden Wochen wurden es immer mehr, unter anderem auch im oberbayerischen Kloster Ettal und bei den Regensburger Domspatzen. Mehrere Priester wurden beurlaubt oder in den Ruhestand versetzt, etwa in Würzburg und Köln.

Papst Benedikt XVI. bat im Juni 2010 in einer Messe auf dem Petersplatz in Rom die Opfer öffentlich um Vergebung. Bei seinem Großbritannien-Besuch verurteilte er den Missbrauch als «unbeschreibliches Verbrechen».

Die Deutsche Bischofskonferenz ernannte den Trierer Oberhirten Stephan Ackermann zum Beauftragten für das Thema und beschloss neue Leitlinien. Die Kirche will mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten, die Prävention verstärken, jedem minderjährigen Opfer bis zu 5000 Euro Entschädigung zahlen und auch Therapiekosten übernehmen. Die Opfervertretung «Eckiger Tisch» hält die Summe für zu gering.

Bis Anfang September beantragten rund 700 Missbrauchsopfer eine solche Entschädigung. Das Kloster Ettal zahlte 70 Opfern insgesamt 700 000 Euro. In Einzelfällen seien bis zu 20 000 Euro überwiesen worden, teilte die Benediktinerabtei mit.

Die Bischofskonferenz startete zudem eine auf fünf Jahre angelegte Dialog-Initiative. In zahlreichen Foren sollen die Gläubigen mit der Kirchenleitung über die Zukunft der Kirche ins Gespräch kommen.

144 katholische Theologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz forderten im Februar 2011 in einem Memorandum tiefgreifende Reformen. Sie plädieren für die Abschaffung des Zölibats und die Zulassung von Frauen zum Priesteramt.

Kirchen / Papstbesuch / Missbrauch
25.09.2011 · 21:40 Uhr
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