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Hintergrund: Kernpunkte des Atomkompromisses

Berlin (dpa) - Der Plan der Bundesregierung für längere Atomlaufzeiten stößt bei Opposition und Kernkraftgegnern auf heftigen Widerstand. Die wichtigsten Eckpunkte im Überblick.

LAUFZEITEN: Die sieben ältesten Kernkraftwerke sollen acht Jahre länger laufen, die zehn nach 1980 ans Netz gegangenen Anlagen bekommen 14 Jahre mehr. Diese Zeiten können sich noch weiter verlängern, da die Atomkraftwerke (AKW) nicht feste Jahreszahlen zugebilligt bekommen, sondern Strommengen, die sie noch produzieren dürfen. Stehen AKW zeitweise still oder laufen langsamer, bleiben sie länger am Netz. Werden Atomkraftwerke früher vom Netz genommen, können Restlaufzeiten auf jüngere AKW übertragen werden. Die Regellaufzeit erhöht sich auf 40 bzw. 46 Jahre. Das letzte Atomkraftwerk würde damit nach heutigem Stand zwischen 2036 und 2040 vom Netz gehen.

GELD: Die Konzerne müssen von 2011 bis 2016 eine Atomsteuer von jährlich 2,3 Milliarden Euro bezahlen plus mehrere hundert Millionen für einen Fonds zum Ausbau der Ökoenergien. Ab 2016 will der Bund mit dem Fonds dann insgesamt 14,5 Milliarden Euro abschöpfen - so dass am Ende für das Laufzeit-Plus eine Summe von rund 30 Milliarden Euro zustande kommen soll.

SICHERHEIT: Für im Schnitt 12 Jahre längere Laufzeiten hatte das Bundesumweltministerium Nachrüstkosten für die 17 Atomkraftwerke von 20 Milliarden Euro berechnet - vor allem um Angriffe mit großen Passagierflugzeugen aushalten zu können. Davon ist nun keine Rede mehr. Im Vertrag mit den Konzernen werden die Kosten pro Kraftwerk bei 500 Millionen Euro gedeckelt. Alles was darüber liegt, wird von den fälligen Zahlungen für den Ökonenergie-Fonds abgezogen. Sollten die Nachrüstungen tatsächlich 20 Milliarden kosten, wären das also 11,5 Milliarden Euro weniger für den Öko-Fonds. Zudem sind lange Fristen möglich, so dass ältere Kraftwerke eventuell kaum nachgerüstet werden müssten.

ENDLAGERUNG: Anfang Oktober wird die jahrelang unterbrochene Erkundung des Salzstocks Gorleben wieder aufgenommen - seit fast 30 Jahren gilt Gorleben als möglicher Endlagerstandort. Damit das Vorhaben nicht am Widerstand Einzelner scheitert, sollen im neuen Atomgesetz auch Enteignungen erlaubt werden. Die Atomindustrie hat bisher 1,5 Milliarden Euro in Gorleben investiert, sie hält den Salzstock für geeignet. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat eine ergebnisoffene Suche angekündigt, eine neue Standortsuche würde die Regierung aber um Jahrzehnte zurückwerfen. Durch im Schnitt 12 Jahre längere Laufzeiten würde der hoch radioaktive Abfall laut Bundesamt für Strahlenschutz auf 21 600 Tonnen Schwermetall steigen.

Energiekonzept

Energie / Atom
18.09.2010 · 20:55 Uhr
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