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Hintergrund: Jemen, Basis für Al-Kaida in Südarabien

Berlin (dpa) - Der Jemen rückt immer stärker ins Visier internationaler Terrorfahnder. Der bitterarme Wüstenstaat gilt als zentraler Stützpunkt für das Terrornetzwerk Al-Kaida.

Die Familie von Osama bin Laden stammt von hier, der Top-Terrorist selbst nutzte das Land mit den unzugänglichen Steinwüsten schon in den 90er-Jahren als Rückzugsgebiet. Viele seiner Kämpfer stammen von dort.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 musste Al-Kaida im Jemen zunächst schwere Rückschläge hinnehmen. Langzeit-Präsident Ali Abdullah begann damals, mit den Amerikanern im Anti-Terror-Kampf zu kooperieren, 2003 war der jemenitische Al-Kaida-Ableger so gut wie zerschlagen. Doch es fehlte nicht an Nachwuchs.

Im Februar 2006 gelang 23 Terroristen im Hochsicherheitsgefängnis von Sanaa eine aufsehenerregende Flucht. Unter ihnen war Nasser al-Wahaischi - jener Top-Terrorist, der heute die «Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel» (AQAP) anführt. Er ist ein enger Vertrauter Osama bin Ladens, dessen Sekretär er früher in Afghanistan war.

Die AQAP, die vor knapp zwei Jahren aus der Vereinigung der jemenitischen mit der saudischen Al-Kaida entstand, gilt als hochgefährlich. Mit ihrem Zusammenschluss schufen die bisher weitgehend regional agierenden Terroristen Anfang 2009 eine Basis für weltweite Anschläge. Auf ihr Konto soll unter anderem die vereitelte Sprengung eines US-Passagierflugzeugs über Detroit am Weihnachtstag 2009 gehen.

Doch schon vorher hatten die Terroristen im Jemen gezeigt, wie entschlossen sie sind. Der bisher folgenschwerste Anschlag ereignete sich bereits im Oktober 2000: Damals sprengten sich in der Hafenstadt Aden Selbstmordattentäter mit ihrem Boot nahe des US-Zerstörers «USS Cole» in die Luft. 17 US-Soldaten wurden getötet. Mindestens 16 weitere Menschen kamen ums Leben, als Al-Kaida-Männer im September 2008 die US-Botschaft in der Hauptstadt Sanaa angriffen.

In dem von bürgerkriegsähnlichen Stammeskämpfen erschütterten Land ist die Zentralregierung gar nicht in der Lage, alle Landesteile zu kontrollieren. Diese Regionen nutzt Al-Kaida als Rückzugsgebiet mit Rekrutierungs- und Ausbildungslagern. Nach Einschätzung von Sicherheitsbehörden wurden dort auch Islamisten aus Deutschland und anderen westlichen Ländern militärisch trainiert. Luftangriffe der jemenitischen Armee auf Stellungen der Terroristen wie zuletzt Mitte Oktober 2010 konnten die Terroristen nicht von dort vertreiben.

Terrorismus / USA / Großbritannien
31.10.2010 · 21:35 Uhr
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