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Hintergrund: Hohe Hürden für ausländische Arbeitslose

Nürnberg (dpa) - Ausländische Arbeitslose stehen auf dem deutschen Arbeitsmarkt trotz Job-Booms weiterhin vor hohen Hürden. Arbeitsmarktforscher fordern daher schon länger verstärkte Anstrengungen, um Jobsucher mit ausländischem Pass oder ausländischen Wurzeln fit für den Arbeitsmarkt machen.

Das wäre nach Einschätzung der Forscher nicht nur ein Beitrag, Migranten besser in die deutsche Gesellschaft zu integrieren - besser qualifizierte Ausländer könnten auch den bis zum Jahr 2020 drohenden Fachkräftemangel abmildern.

Derzeit erweist sich nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) die geringe Qualifikation ausländischer Arbeitsloser als größtes Handicap. So hatten nach BA-Angaben im August 76 Prozent aller arbeitsloser Menschen mit Migrationshintergrund keine abgeschlossene Berufsausbildung; bei deutschen Jobsuchern liegt der Anteil nur bei 37 Prozent. 16,5 Prozent hatten nicht einmal einen Schulabschluss (Deutsche: 3,3 Prozent). Die Folge: Die Arbeitslosigkeit bei Ausländern lag im September mit 15 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei Deutschen.

Allerdings werden ausländische Arbeitslose anscheinend von den Arbeitsagenturen und Jobcentern auch nicht in gleichem Maße gefördert wie Jobsucher mit einem deutschen Pass. Während im Schnitt jeder siebte deutsche Arbeitslose in den Genuss einer Trainingsmaßnahme, einer Fort- und Umschulung oder eines Ein-Euro-Jobs kommt, profitiert davon nur jeder zehnte ausländische Jobsucher. Als Grund vermuten Fachleute Sprachprobleme. Meist landeten Ausländer in sogenannten Trainingsmaßnahmen, die Erwerbslosen mit dem deutschen Arbeitsleben vertraut machen.

Haben sie einmal den Sprung in eine Trainingsmaßnahme oder eine Fortbildung geschafft, dann sind die Vermittlungschancen ausländischer Arbeitslose nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) in Duisburg danach oft genauso gut wie der ihrer deutschen Kollegen. Entscheidend sei nicht der Pass, sondern was Menschen mit Migrationshintergrund an Bildung bereits mitbringen, heißt es in der im Auftrag des Bundesarbeitsministerium erstellten Studie.

Daraus folgern die Autoren der Studie: Um das Potenzial ausländischer Erwerbsloser besser nutzen zu können, müssten Jobcenter diese stärker fördern. Auch sollten ausländische Schul- und Berufsabschlüsse leichter anerkannt werden. Jobcenter müssten zudem dafür sorgen, dass Migranten mit unzureichenden Deutschkenntnisse einen Sprachkurs absolvieren. Die Bedeutung guter Deutschkenntnisse betont auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Davon würden nach IAB-Einschätzung auch die Betroffenen profitieren: Migranten mit Deutschkenntnissen verdienten im Schnitt neun Prozent mehr als Ausländer, die Verständigungsprobleme hätten.

Studie des IAQ

Migration / Integration
12.10.2010 · 15:28 Uhr
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